Kremser hat Alko-Fahrt verhindert, wird jetzt geklagt

Der Kremser Gernot Rohrhofer hinderte einen Volltrunkenen an der Heimfahrt. Der will jetzt knapp 6.000 Euro von ihm.

Franz Aschauer
Franz Aschauer Erstellt am 23. September 2021 | 05:55

„Das würde das Ende der Zivilcourage bedeuten.“ Gernot Rohrhofer ist fassungslos. Der Kremser sieht sich einer Klage ausgesetzt, nachdem er im August des vergangenen Jahres durch sein Einschreiten verhindert hat, dass ein 67-Jähriger in scheinbar stark betrunkenem Zustand ein Auto lenkt.
Schauplatz des Vorfalls war der Kremser Pfarrplatz. Rohrhofer war zur Fahrertür geeilt, als der Pensionist bereits wenige Meter gefahren war und forderte ihn auf, den Motor abzustellen und ihm die Schlüssel auszuhändigen.

Erst noch widerwillig – auch auf Zuruf seiner ebenfalls schwer angeheiterten Begleiterin – setzte der ebenfalls in Krems wohnhafte Mann zurück und kam der Bitte nach. Das Pärchen trat daraufhin in einem Taxi die Heimreise an. Dort angekommen, tauchte bald die von Rohrhofer verständigte Polizei auf und bat den 67-Jährigen zum Alko-Test, den er verweigerte. Er musste seinen Führerschein für ein halbes Jahr abgeben und eine Geldstrafe von 1.700 Euro blechen.

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Für Rohrhofer ging der wirklich unangenehme Teil der Causa erst jetzt los. Der 67-Jährige will knapp 6.000 Euro Schadenersatz von ihm, weil er ihn mit seinem Smartphone gefilmt hat, als er mit seiner Begleiterin zum Auto torkelte. Durch diese „rechtswidrige Videoaufnahmen“ habe Rohrhofer das „allgemeine Persönlichkeitsrecht und das Grundrecht auf Datenschutz“ des Alko-Lenkers verletzt, wie in der am Landesgericht Krems eingebrachten Mahnklage seines Anwalts nachzulesen ist. Die Schadenssumme komme durch die seinem Mandanten entstandenen Verfahrenskosten und dem persönlichen Schaden – er sei vor den Behörden „bloßgestellt und lächerlich gemacht“ worden – zustande.

Rohrhofer, selbst ein studierter Jurist, hat nicht vor, zu bezahlen. Er hat seinerseits einen Anwalt mit der Sache betraut. Der argumentiert, dass kein Zusammenhang zwischen der Bestrafung des 67-Jährigen und dem Filmen und Vorzeigen von Videos durch Rohrhofer bestünde, weswegen kein Schadenersatz zu leisten sei. Darüber hinaus überwiege schon alleine das öffentliche Interesse, eine Verwaltungsstraftat im Zusammenhang mit Alkoholkonsum im Straßenverkehr aufzuklären die privaten Interessen des 67-Jährigen.

Für Rohrhofer ist das Vorgehen des Pensionisten „moralisch verwerflich“: „Er sollte eigentlich froh sein, dass er gestoppt wurde und niemanden verletzt oder gar getötet hat.“