Erstellt am 24. Februar 2014, 23:59

von Jutta Hahslinger

Rechtswahn? Stieger muss zum Psychiater. KREMS, ROHRENDORF / Diffamierende Plakate, Attacken mit Wasserpistole: „Rebell“ Stieger greift mitunter zu unfeinen Methoden, um Rechte einzufordern.

Franz Stieger beteuert seine Unschuld: »Ich wollte nur Missstände aufdecken und suchte das Gespräch.«  |  NOEN
Von Jutta Hahslinger

Die Wege des amtierenden Kremser Gerichtspräsidenten Norbert Klaus und des früheren Bürgermeisters von Rohrendorf, Rudolf Danner, sind mit Plakaten mit schweren Anschuldigungen gepflastert. Der Kremser Franz Stieger (54) fühlt sich von beiden Herren ungerecht behandelt: „Über zehn Jahre wurde ich vom Gericht schwer benachteiligt. In Rohrendorf wurde ich um ein Grundstück betrogen, und das habe ich mit angemeldeten Demos und Veranstaltungen öffentlich gemacht. Die von mir geäußerten Vorwürfe und plakatierten Anschuldigungen stimmen zu 100 Prozent.
 

x  |  NOEN

Es ist doch mein Recht als Bürger, wenn ich betrogen werde, um Aufklärung zu bitten“, erklärt Franz Stieger. Da ein klärendes Gespräch in seinem Sinne nie erfolgte, habe er sich anderer Methoden bedient, um sich Gehör zu verschaffen. Er überflutete Krems und Rohrendorf mit Schmäh-Schriften gegen den Kommunalpolitiker und den Gerichtspräsidenten. „Sie sind eine Schande für Ihre Familie, die Gemeinde und ganz Österreich!“, tat er mehrmals per Megafon in Rohrendorf kund. Wo sich der Ex-Politiker auch aufhielt, der Kremser war nicht fern, dokumentierte und fotografierte. Er zerrte am Nervenkostüm von Danner: „Er ist nervös, fühlt sich verfolgt und hat schon gesundheitliche Probleme“, berichtet dessen Gattin.

Wie ist es um die Gesundheit des Kremsers bestellt?

Dem Gerichtspräsidenten und dessen Ehefrau erging es nicht besser. Neben monatelangem Plakatterror fanden sie auch ein Osternest mit Hundekot nebst Pamphlet und einen Sauschädel im Garten. Stieger lauerte dem Gerichtspräsidenten auch mehrmals auf und bespritzte ihn von Kopf bis Fuß mit Wasser.

Die erwarteten Privatklagen (etwa üble Nachrede, Ehrenbeleidigung oder Verleumdung) blieben aus: Für Stieger setzte es eine Anklage wegen beharrlicher Verfolgung, Drohung und Sachbeschädigung. Davon will der Streitbare nichts wissen: „Plakatieren ist kein Stalking. Ein Reißnagel im Klaus-Foto keine Drohung und Klebereste an Fenstern keine Sachbeschädigung.“

Richterin Anna Wiesflecker will wissen, wie es um die geistige und psychische Gesundheit des Kremsers bestellt ist - sie schickt ihn zum Psycho-Doktor Werner Brosch. Der Prozess wurde auf den 10. April vertagt.