B 37-Ausbau zu wenig ambitioniert?. Land investiert in Verkehrsachse im Laufe der nächsten Jahre 26 Millionen Euro, Abschnitt Gföhl ist vorerst aber nicht im Fokus.

Von Gerald Mayerhofer. Erstellt am 02. Mai 2021 (05:34)

Nach dem Aus für die Waldviertel-Autobahn werden vom Land NÖ bis 2035 rund 440 Millionen Euro in den Ausbau von Straßeninfrastuktur-Projekten in ganz NÖ investiert. 26 Millionen Euro fließen im Laufe der nächsten Jahre in den Ausbau der B 37.

Heuer startete der Ausbau des Gneixendorfer Bergs (die NÖN berichtete), nächstes Jahr wird ein 1,4 Kilometer langes Teilstück bei Rastenfeld mit einer dritten Spur ausgestattet. In Folge wird die Anschlussstelle Gneixendorf-Süd niveaufrei ausgebaut und danach auch das Teilstück von dieser Kreuzung bis zur Donaubrücke mit einer durchgängigen, starren Mitteltrennung versehen.

Gföhler Berg und Umfahrung als Nadelöhr

Für die beiden viel-kritisierten Streckenabschnitte Gföhler Berg und die Umfahrung Gföhl gibt es aber weiterhin keine Ausbaupläne. Am Gföhler Berg werden auf rund 3,8 Kilometer Länge etwa 170 Höhenmeter wettgemacht. Dieser Streckenabschnitt zählt zu den kurvenreichsten der gesamten B37. Vor allem das 1,6 Kilometer lange, einspurige Teilstück bergwärts gilt im Zusammenhang mit Traktoren als problematisch. Beide Strecken werden von rund 12.000 Fahrzeugen am Tag frequentiert.

In einer NÖN-Umfrage zum Ausbau der B37 sprachen sich vor wenigen Wochen rund 65 Prozent für eine Neukonzipierung und einen durchgängigen drei- bis vierspurigen Ausbau aus. Ein Drittel war der Meinung, dass punktuelle Ausbauarbeiten ausreichen, um die Sicherheit zu erhöhen.

Auch in Leserbriefen ist die Kritik an der B37 immer wieder Thema: So stellte beispielsweise Friedrich Weber bereits Ende 2019 offen die Frage: „Seit dem Bau der Strecke zwischen Kremser Donaubrücke und der Kreuzung mit der B38 in Rastenfeld sind mehr als 30 Menschen gestorben – war die Planung derart schlecht, dass ständig neue Ausbauten erfolgen mussten?“. Alt-Bürgermeister Karl Simlinger sieht den B 37-Ausbau ebenfalls als mangelhaft an. Er forderte von der Politik „mehr Mut und Weitblick“ für Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur, um Impulse für abwanderungsgefährdete Gebiete im Waldviertel zu setzen.

Die NÖN hat Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko um seine Expertise gebeten: „Die B 37 ist eine der beiden zentralen Straßenachsen im Waldviertel. Dementsprechend wurde die B 37 in den letzten 20 Jahren in einen der Verkehrsfrequenz auf den einzelnen Abschnitten entsprechenden Ausbauzustand versetzt, um die Verkehrssicherheit zu verbessern.“

Der NÖ Straßendienst ist beauftragt, „diesen kontinuierlichen Weg zur Verbesserung der Sicherheit und des Fahrkomforts fortzusetzen“. Es wurde auch angemerkt, dass Ausbaumaßnahmen im Straßenbereich aufgrund des Bodenverbrauchs in hoher Kritik stehen. „Ein durchgängiger vierspuriger Ausbau ist derzeit aufgrund der Verkehrsmengen lediglich im Bereich des Gneixendorfer Berges erforderlich.“

Landtagsabgeordneter Josef Edlinger, der die Strecke selbst regelmäßig benutzt, hält fest: „Ich sehe aktuell kein Problem auf der B 37. Durch gesetzte Maßnahmen ist das Unfallgeschehen deutlich zurückgegangen. Die Hauptursache war meist überhöhte Geschwindigkeit. So konnte beispielsweise der Gföhler Berg mit der Section Control deutlich sicherer gemacht werden.“

Zur ursprünglichen Planung der B 37 merkte er allerdings an, „dass man im Nachhinein vieles besser hätte machen können. Beim Baubeginn der Verkehrsachse hatte man auf Pläne aus den 1970er- Jahren zurückgegriffen, die dem heutigen Verkehrsaufkommen nicht gerecht werden können. Jede bauliche Verbesserung ist zu begrüßen – und wenn für den Streckenabschnitt Gföhl aktuell keine Ausbauarbeiten in Planung sind, heißt das nicht, dass nicht doch in den kommenden Jahren etwas in Angriff genommen wird.“

Traktoren sind Problem für Verkehrsfluss

Bürgermeisterin Ludmilla Etzenberger (Gföhl) sieht es ähnlich: „Fakt ist, dass die ursprüngliche Straßenplanung nicht mit den heutigen Anforderungen mithalten kann. Dass die B37 ein ‚Flickwerk‘ bleibt, wird man kurzfristig nicht ändern können.“ Kritischer sieht sie die Situation beim Verkehrsfluss: „Traktoren sind in den Stoßzeiten schon jahrelang ein Thema. Wir wissen, dass die geschaffenen Wartebuchten am Gföhler Berg wenig angenommen werden – ein Ausbau, auch mit Begleitwegen, ist dort aber aufgrund der Felswände und der Schlucht neben der Fahrbahn schwer umsetzbar.“