Gastro-Öffnung: Wirt klagt die Republik. Helmut Preiser von Standesvertretung enttäuscht. Eintrittstests sind für den Gastronomen keine geeignete Maßnahme. Weiter warten heißt es für Kulturschaffende.

Von Petra Vock, Martin Kalchhauser und Franz Aschauer. Erstellt am 03. März 2021 (05:50)
Gastwirt und Disco-Betreiber Helmut Preiser klagt jetzt die Republik.
Kalchhauser

Zu den angekündigten maßvollen Öffnungsschritten gibt es nicht nur Zustimmung, sondern auch Skepsis. Gastwirt Helmut Preiser beschreitet den Gerichtsweg.

Dutzende Mails hat der Betreiber eines Gasthauses und der Disco „Apollon“ in Großreinprechts in den vergangenen Monaten in teils rüdem Ton an die Regierungsmitglieder geschrieben. „Seid ihr wirklich so naiv oder komplett ahnungslos?“, war seine jüngste Frage. Denn Preiser ist sicher, dass niemand zu den aktuellen Bedingungen (mit offiziellem Testergebnis, Maske und Registrierung) ins Gasthaus gehen wird.

„Vielleicht in der Hochgastronomie, aber sicher nicht zu einer kurzen Besprechung oder mit einem Bekannten auf einen Kaffee oder auf ein Bier!“, erwartet Preiser. Der Gastronom hat zwar einen Innenhof mit Infrarotheizung, aber: „Bei uns im Waldviertel hat es immer fünf, sechs Grad weniger als in Krems!“

Wirt hat Klage gegen die Republik eingebracht

Vor wenigen Tagen hat der Unternehmer, der Corona-bedingt einen Umsatzentgang von 400.000 Euro verzeichnet, eine Amtshaftungsklage gegen die Republik eingebracht. Das Betretungsverbot für Gasträume im ersten Lockdown sei vom Höchstgericht gekippt worden. Von seiner Interessensvertretung enttäuscht, wagt Preiser den Alleingang: „Die Klage ist ein aufgelegter Elfer. Ich will nicht länger warten, dass die Wirtschaftskammer was tut.“

Frustration herrscht nach der Regierungs-Pressekonferenz am Montag auch bei den Kulturschaffenden. Gerald Streibel, Obmann der Ludwig Ritter von Köchel Gesellschaft Krems: „Leider hat sich für die Kultur wieder nichts geändert. Schade, dass wir nicht in Vorarlberg sind, dann hätten wir experimentieren können. Da der Zeithorizont für Veranstaltungen nicht vor Mitte April liegt, ist das von der Planungssicherheit schwierig, denn Veranstalter brauchen mehrere Wochen Vorlaufzeit und jetzt wird am 15. März neuerlich von der Politik beraten.“

Die Köchel Gesellschaft hatte ursprünglich geplant, noch im ersten Halbjahr einige Veranstaltungen des Beethoven-Jubiläumsjahres nachzuholen, die im vorigen Jahr abgesagt werden mussten. „Im Hinblick auf die unsichere Situation haben wir jetzt aber bis Sommer erst mal keine Konzerte geplant. Wir warten ab, könnten aber bei Lockerungen rasch reagieren, da die Programme ja letztes Jahr schon fertig waren“, sagt Streibel, der davon überzeugt ist, dass der Bedarf nach kulturellem Genuss groß ist. „Wenn es wieder Angebote gibt, werden die sicher sehr gut genützt werden, denn die Menschen wollen Live-Musik.“

Wut und Unverständnis bei Fußballvereinen

Wut und Unverständnis herrscht indes im Amateurfußball, dass es nach wie vor keine Perspektive zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs gibt. „Es ist wirklich traurig. Wenn die Frisöre offen haben dürfen, warum können wir nicht auch mit Eintrittstests endlich wieder loslegen?“, fragt der Trainer des Kremser Sportclubs, Björn Wagner.

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