Menschenmassen regen auf: Gesellschaft sensibilisiert. Andrang beim Foodtruck, Gästescharen im Hotel: Menschen sind besonders wachsam.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 20. April 2021 (16:35)

Wie sehr die Corona-Pandemie die Menschen in Bezug auf Menschen-Ansammlungen sensibilisiert hat, zeigte sich in der Region letzte Woche gleich mehrmals. Zuerst sorgte ein Gastspiel eines Foodtrucks im Propsteiweingut für Aufregung, weil sich im Pfarrhof St. Veit (dem Zugang zur Essensausgabe) zeitweilig an die hundert Menschen aufhielten. Dann gab es Kritik daran, dass das Steigenberger-Hotel am Goldberg 150 Golfer des Turniers in Atzenbrugg-Hei li gen eich beherbergte.

„Zweite Chance“ des Pfarrers gut genützt

Am vorvergangenen Wochenende hatte Hausherr Pfarrer Franz Richter gestattet, dass der Pfarrhof als Zugang zum im dahinter liegenden Propsteiweingut genützt werden durfte, wo der Foodtruck der Wösendorfer Hofmeisterei Hirtzberger Station machte. „Sauer“ war er danach nicht nur, weil bis zu hundert Menschen im Pfarrhof beisammenstanden und aßen und tranken, sondern vor allem, weil es sofort Kritik an der Pfarre hagelte. Die Hofmeisterei erhielt nach einer Aussprache eine „zweite Chance“, die am letzten Wochenende gut genützt wurde. Mit der Verlegung des Zugangs nach hinten (Schmelzgasse) war das Problem aus der Welt geschafft. Die zweite Auflage ging problemlos über die Bühne. Gastronom Hartmuth Rameder betont, dass sein Unternehmen ein strenges Sicherheitskonzept eingehalten und Speisen und Getränke nur „to go“ angeboten habe. „Jeder andere Gastwirt kann das genauso machen. Die Leute sind richtig ausgedürstet nach einem gastronomischen Angebot!“ Und er sei schließlich für die Arbeitsplätze von 32 Bediensteten, von denen sich 16 in Kurzarbeit befinden, verantwortlich.

Dass der Bereich des Steigenberger-Hotels am Goldberg verparkt war, entging vielen Anrainern nicht. Direktor Daniel Hunger-Milkowitsch vom Kremser Steigenberger-Hotel verweist auf exakt eingehaltene Sicherheitsregeln in seinem Haus. „Es stimmt, dass wir für die Dauer des Golfturniers rund 150 Gäste beherbergt haben.“ Weil es sich bei den Golfspielern um Profis handelt, gelten sie als „Geschäftsreisende“. „Aber sie haben nur Frühstück bekommen. Nicht einmal die Fitness- und Wellnessbereiche haben wir geöffnet, was für Bedauern und sogar Unverständnis gesorgt hat.“ In anderen Hotels habe man diese angeblich benützen dürfen, wie Gäste monierten.

Schnell machte die Nachricht die Runde, es habe sich ein Cluster gebildet. „Das stimmt absolut nicht“, tritt der Manager dieser Falschmeldung entgegen und verweist sie in die Welt der Gerüchte.

Bei der 7-Tage-Inzidenz – neue Covid-Fälle pro 100.000 Einwohner – verloren Stadt und Bezirk Krems zwar ihre Spitzenplätze im Land, halten sich aber dennoch gut. Die Stadt liegt aktuell mit 123,8 an sechster Stelle im Land, der Bezirk Krems liegt mit 134,5 knapp dahinter.

Nach wie vor unverändert hoch sind die Werte in Lich tenau. Bei den eher hohen Zunahmen stechen Hadersdorf und Grafenegg ins Auge. Hadersdorfs Gemeindechefin Liselotte Golda kennt den Grund für den Anstieg. „Da sind drei Familien betroffen, wo das Virus vermutlich von Freunden hineingetragen wurde“, erklärt sie auf NÖN-Anfrage. „Die Situation ist nicht wirklich besorgniserregend. Wir haben das im Blick.“ Alle Mitglieder der betroffenen Familien seien jedenfalls in Quarantäne.

„Woran das liegt, kann ich nicht sagen“, muss der Gra fen eg ger Bürgermeister Anton Pfeifer mit einer Interpretation seiner Gemeindezahlen passen. „Wir erfahren ja leider im Detail nichts.“ Der sprunghafte Anstieg lasse allerdings auf einen Familiencluster schließen. Er gebe außerdem zu bedenken, dass gerade Ramadan sei. Vielleicht sei man da „gedanklich auf einer richtigen Spur“, will sich das Gemeindeoberhaupt jedoch auf keine fixen Schuldzuweisungen einlassen.