Neue Kreditregeln: „Hausbau für Junge de facto unmöglich“

Erstellt am 16. August 2022 | 20:00
Lesezeit: 4 Min
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„Sie werden in Mieten gedrängt“: Stefan Tiefenbacher, Immobilienmakler in Krems (hier bei einer Kundenberatung), konstatiert, dass sich junge Menschen Eigentum aktuell kaum leisten können. 
Foto: Johanna Salomon
Die neuen Regeln für die Kreditvergabe werden auch im Bezirk Krems sehr deutlich spürbar sein. Der aktuelle Trend geht in Richtung Land und kleinere Wohnungen.
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„In Summe sind das alles Vorgaben, die in der Form auch davor teilweise schon gegolten haben“, erklärt Stefan Tiefenbacher, Immobilienmakler aus Krems zu den neuen Kreditrichtlinien, die seit dem 1. August gelten. „Diese sind früher nur oft lockerer gehandhabt worden.“

Bis Mai seien aufgrund der niedrigen Zinsen und der allgemeinen Unsicherheit im Zuge der Corona-Krise die Menschen „sehr stark in den Immobilienkauf gegangen“, erklärt Tiefenbacher. „Dadurch sind die Preise extrem in die Höhe geschnellt.“ Im Zuge der neuen Regeln sei die Nachfrage nach diesen Immobilien zwar noch da, aber deutlich geringer.

Es wird einen Rückgang beim Kauf geben und eher gemietet werden.“ Harald Leopold, Bürgermeister Langenlois

Der Immobilienexperte veranschaulicht die neue Kreditsituation mit einem Beispiel: „Ein junges Paar will sich eine Neubauwohnung in der Stadt kaufen: überschaubare 50 Quadratmeter, mit durchschnittlich 6.000 Euro pro Quadratmeter. So kostet sie die gesamte Wohnung 300.000 Euro. Da kommen noch die Nebengebühren, weitere 20.000 Euro, hinzu. Dann muss die Wohnung noch eingerichtet werden. Selbst wenn sie jetzt relativ günstig eingerichtet wird, kommen sie auf etwa weitere 15.000 Euro. Da sind wir bei 335.000 Euro.“ Das seien die Gesamtprojektkosten. Davon müsste man jetzt 20 Prozent Eigenkapital auf den Tisch legen. „Das sind 67.000 Euro! Ein Mensch Mitte 20 hat kaum so viel gespart.“

Hansjörg Henneis, Vorstand der Kremser Bank, zu den Neuerungen: „Die neuen regulatorischen Vorgaben werden in unserer Beratung selbstverständlich Platz greifen. Allerdings werden sie unsere Bemühungen rund um unsere Kunden nicht einschränken.“

Die „Explosion“ der Baustoffpreise werde laut Tiefenbacher auch dafür sorgen, dass Neubauten weniger werden. Früher war es bei der Errichtung von Einfamilienhäusern üblich, 150 oder 160 Quadratmeter Wohnfläche zu bauen. „Dafür legt man heutzutage für den Quadratmeter etwa 3.000 Euro an Baukosten hin. In Summe kommt man so schnell auf etwa auf 600.000 Euro.“

Eigentumserwerb ist Ziel, aber Mieten die Realität

600.000 Euro, wovon man nun 20 Prozent Eigenkapital aufbringen muss. Das werde die Bank nun nicht mehr bereit sein zu finanzieren. „Nur wenige junge Leute werden es sich leisten können, ein Haus zu bauen.“ Diese werden jetzt stark in Mieten gedrängt, obwohl sie sich Eigentum eigentlich leisten könnten. „Ob ich jetzt 1.000 Euro für die Kreditrückzahlung und Betriebskosten oder Miete ,warm‘ zahle, ist im Endeffekt egal. Beim Kauf gehört mir aber am Ende des Tages eine Sicherheit“, fasst Tiefenbacher zusammen.

Ein Trend, den auch der Bürgermeister der Stadtgemeinde Langenlois, Harald Leo pold, prognostiziert: „Bis zum jetzigen Zeitpunkt läuft der Verkauf von Reihenhäusern und Wohnungen sehr gut, alles wird rasch verkauft.“ Im Moment könne er noch nicht sagen, wie sich die neuen Kreditregeln auswirken werden. Dass sie sich auswirken werden, davon ist Leopold allerdings überzeugt. „Es wird einen Rückgang beim Kauf geben und eher gemietet werden.“

Laut Makler Tiefenbacher werde sich die Bautätigkeit allgemein eher in Richtung Kremser Umland verlagern. Im ländlichen Raum sind die Baupreise zwar ebenfalls hoch, aber die Grundstückspreise ganz andere. „Es wird fraglich sein, ob in Zukunft alle neuen Bauprojekte in der Stadt Krems verkauft werden können.“ Die Lage sei zwar gefragt, man wird sich aber oft entscheiden, „lieber zehn Minuten in die Stadt zu fahren, aber dafür 50.000 Euro weniger fürs Wohnen zu zahlen.“

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