Wärme und dann Frost: Marille litt. Bauern befürchten trotz Maßnahmen massive Ernteausfälle in der Wachau.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 24. März 2020 (05:04)
Lorenz Reisinger schlug sich mit Vater Franz die vergangenen Nächte in den eigenen Marillengärten um die Ohren. Die Hitze selbst gebauter Öfen sollten die Blüten vor den Minustemperaturen schützen.
Johann Lechner

Temperaturen um die 20 Grad brachten in der Vorwoche die ohnehin weite Entwicklung bei vielen Marillenbäumen zu einem gefährlichen Punkt: der Blüte. Sind die Blüten längere Zeit Temperaturen unter minus zwei Grad ausgesetzt, platzen die Zellen, und sie fallen ab.

„Wir müssen uns geschlagen geben und schauen, was übrig bleibt.“Franz Reisinger, Obmann des Vereins Wachauer Marille

Flächendeckende Ernteausfälle, das befürchten die Marillenbauern in der Wachau nach gleich drei Frostnächten mit Temperaturen bis zu minus fünf Grad. „Wir müssen uns geschlagen geben und schauen, was übrig bleibt“, sagt Franz Reisinger, der Obmann des Vereins Wachauer Marille.

Schutzmaßnahmen zu ergreifen, sei wegen der besonderen Wetterverhältnisse schwierig. „Es ist auch tagsüber sehr kalt, da kühlen die Blüten schon einmal aus. Dazu kommt ein kalter Wind aus Nordost, was die Überkronenberegnung schwierig macht.“ Die Obstbäume von oben gezielt mit feinen Wassertropfen zu besprühen, setzt Kristallisationswärme frei, was die Blüten von Frostschäden bewahrt.

Selbstgebaute Öfen statt Paraffinkerzen

In seinen eigenen Marillengärten setzte Reisinger ab dem Wochenende deswegen auf die Zuführung von Wärme mit selbst gebauten Öfen. Zumindest zwei seiner acht Hektar versuchte der Obstbauer aus Spitz so zu schützen. Ganze Nächte verbrachte Reisinger zuletzt mit Sohn Lorenz zwischen seinen Bäumen, ungefährlich sei das Heizen schließlich nicht. Paraffinkerzen setzte Reisinger vor allem aus finanziellen Gründen nicht ein. Einen Hektar damit zu bestücken, koste pro Nacht rund 3.500 Euro.

Ein Luxus, den sich Obstbauer Martin Sedelmaier aus Krems-Thallern für seine rund fünf Hektar große Fläche mit Marillenbäumen leistete. Trotzdem glaubt er, dass die Frucht, für die die Wachau so berühmt ist, „massiv dezimiert wird.“ Weniger Sorgen macht sich der Kremser ÖVP-Stadtrat um seine Äpfel- und Birnenbäume, die noch nicht in Blüte standen. Die Frostschutzbewässerung mit drei Millimeter Wasser pro Stunde bringe sehr viel.

Die Marillenbauern der Wachau sind es gewohnt, dass ihr Produkt Wetterextremen ausgesetzt ist. In der Vergangenheit sind außergewöhnliche Naturgewalten jedoch häufiger geworden, das weiß auch Reisinger. Vor allem die sich immer rascher entwickelnde Vegetation bereitet Sorgen, Spätfrost wird dadurch zu einer größeren Bedrohung als bisher. Von Pessimismus gibt es dennoch keine Spur. „Ich beschäftige mich viel mit Meteorologie. Es war schon immer ein Auf und Ab. Ich habe keine Angst, dass die Berufssparte vor dem Aus steht“, sagt Reisinger.

In der Wachau werden auf 400 Hektar rund 100.000 Marillenbäume bewirtschaftet.

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