Wirbel um Göttweiger „Maut“: Mountainbiker muss zahlen. Mountainbiker zahlte 800 Euro Strafe, weil er auf Forststraße fuhr. Eigene Strecken sind Mangelware und unbeliebt.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 29. September 2017 (09:05)
NOEN, Symbolfoto: Shutterstock/Oleksiy Rezin
Die meisten Mountainbiker sind illegal in den heimischen Wäldern unterwegs.

Der Mountainbikesport hat in Österreich traditionell einen schweren Stand. Grund ist die Gesetzeslage, die EU-weit als eine der strengsten gilt. Sie verbietet das Fahren auf Forststraßen ohne Einwilligung des Waldbesitzers, womit eine – legale – Radausfahrt in den Wald in so gut wie allen Fällen zunichtegemacht wird.

Dass sich viele Hobby-Mountainbiker in Ermangelung eigener Strecken nicht an das Verbot halten, ist allgemein bekannt. Ziehen die meisten dieser Ausritte zwar keine Konsequenzen nach sich, gibt es doch immer wieder unangenehme Überraschungen für die Radler. Laut der Mountainbiker-Interessensvertretung „upmove the mountain sports community“ stellen manche Förster sogar Fallen. „Das können Drähte sein, die quer über den Weg gespannt sind“, erzählt Obmann Andreas Pfaffenbichler.

Eine nicht ganz so schlimme, aber nicht minder ärgerliche Erfahrung machte Hobby-Biker Franz Glaser am 15. Juni. Der 57-Jährige fuhr mit seinem Rad im Gebiet der Mammutbäume Paudorf auf Gründen des Stifts Göttweig, als ihn ein Förster aufhielt, ihn darauf hinwies, dass Radfahren hier verboten sei, und seine Kontaktdaten verlangte. „Zu allem Überfluss durfte ich mein Rad dann auch noch über einen Kilometer auf die nächste öffentliche Straße schieben“, so Glaser.

200 Euro Strafe oder Besitzstörungsklage

Was kurze Zeit später folgte, brachte den im Kremser Krankenhaus beschäftigten Oberarzt zum Staunen. „Ich bekam eine Mail vom Göttweiger Forstamtsleiter Pater Maurus Kocher, in der er mich aufforderte, 200 Euro Strafgeld zu bezahlen, ansonsten würde er eine Besitzstörungsklage einreichen. Glaser wollte die „Wegemaut“ nicht bezahlen und so trafen sich die Konfliktparteien vergangene Woche vor dem Kremser Landesgericht wieder.

Glaser verlor den Prozess und muss 500 Euro an den Göttweiger Rechtsanwalt und 300 Euro Gerichtskosten zahlen. Als Niederlage sieht er den Ausgang der Verhandlung trotzdem nicht. „Die ursprünglich eingeforderten 200 Euro trauten sich die Göttweiger im Klagebegehren plötzlich nicht mehr einzuheben. Insofern habe ich finanziell verloren, aber moralisch gewonnen.“

NOEN, Upmove
Hobby-Mountainbiker Franz Glaser verlor seinen Prozess am Kremser Landesgericht gegen das Stift Göttweig. Der Oberarzt sieht sich trotzdem als „moralischer Gewinner“.

Zurückblickend bereut Glaser sein Verhalten nicht. „Mich hat diese Art der Selbstjustiz einfach wahnsinnig gemacht. Das Einzige, was ich bereue, ist, dass ich damals so dumm war und kooperiert habe. Ich hätte einfach davonfahren sollen.“ Im Stift Göttweig gibt man sich zu der Gerichtsverhandlung mit Glaser wortkarg. „Das war die allererste Besitzstörungsklage, die wir einreichen mussten“, sagt Wirtschaftsdirektor Gerhard Grabner, laut dem sonst nur Verwarnungen ausgesprochen würden. Die jetzt eingestrichenen 500 Euro an Anwaltskosten kommen laut Grabner einem karitativen Zweck zugute.

Auf Stiftsgründen mountainbiken möchte Glaser nach dem Vorfall nicht mehr. Allzu viele Möglichkeiten zur Ausübung seines Hobbys bleiben in und um Krems allerdings nicht. Die zwei bekannten Strecken „Lössterrassen“ und „Steinterrassen“ mit Start bei der Badearena sind laut Glaser „absolut uninteressant“. „Ein legales Ausüben des Sports ist in Österreich leider nicht möglich.“

„Wenn man nur auf offiziellen Strecken fahren will, sind die Trainingsmöglichkeiten nicht ausreichend. Hannes Silberbauer, Kremser Mountainbike-Aushängeschild

Nicht ganz so dramatisch sieht Hannes Silberbauer die Situation. Der Mountainbiker des URC Langenlois ist in seiner Sportart das Aushängeschild im Bezirk. „Wenn man nur auf den offiziellen Strecken fahren will, sind die Trainingsmöglichkeiten nicht ausreichend. Ich fahre deswegen zumeist auf meinen Wegen im Kamptal.“

Die Problematik bald entschärfen könnten eigene Mountainbikestrecken, die rund um den Göttweiger Berg geplant sind. „Wir wollen verschiedene Schwierigkeitsstufen anbieten, ähnlich wie auf Skipisten“, erzählt Thomas Wolf, ÖVP-Gemeinderat in Furth und Vorstandsmitglied im neu gegründeten Mountainbikeverein. Mit einem Baustart rechnet er im Frühjahr 2018.

Die Rechtslage

Das Forstgesetz 1975 verbietet das Befahren von Forststraßen und sonstigen Waldwegen ohne Erlaubnis des Waldeigentümers oder Forststraßenerhalters. Diese Erlaubnis kann einzelnen Personen oder auch allgemein, etwa durch Beschilderung, erteilt werden. Illegalen Mountainbikern drohen Verwaltungsstrafen und zivilrechtliche Klagen.