Resch bedroht? Fall für die Staatspolizei. Eine Mail-Nachricht löste im Rathaus kurzfristig Alarm aus. Absender war Franz Stieger - er musste prompt zum Verhör.

Von Udo Sagl. Erstellt am 29. September 2014 (08:50)
NOEN, Lechner
Reinhard Resch, Bürgermeister der Stadt Krems

„Guten Tag, Herr Bürgermeister! Schauen Sie sich den Beitrag gut an!“ Stadtchef Reinhard Resch las die Mail-Nachricht – und schreckte zurück. Denn im Anhang befand sich ein Auszug aus einem aktuellen Zeitungsartikel mit dem Titel „Ein Land sieht rot – Österreicher werden immer aggressiver.“ Absender: Franz Stieger, der seit Jahren einen „Kleinkrieg“ mit Behörden führt – und dem eine Verurteilung wegen Stalkings droht.

Resch fühlte sich bedroht, zumal der letzte Absatz der Reportage einen Hinweis auf einen spektakulären Mord enthielt. Wörtlich heißt es in dem Artikel unter anderem: „Eine Häufung (von aggressiven Übergriffen in Ämtern) ist seit dem Amoklauf 2009 im Bezirksgericht Hollabrunn zu beobachten, wo ein Lehrer eine Gerichtsmitarbeiterin und zweifache Mutter erschossen hatte.“ Es geht um den Fall des Kremser Kunstlehrers Johann Preiss, der zu lebenslanger Haft verurteilt worden ist.

Polizeischutz für Bürgermeister

Aus der Sicht von Resch war die Zusendung der Nachricht Grund genug, Stieger wegen „gefährlicher Drohung“ anzuzeigen. Folge: Der Bürgermeister erhielt kurzfristig Polizeischutz. Und Franz Stieger wurde vom Landesamt für Verfassungsschutz („Staatspolizei“) zur Vernehmung vorgeladen.

Der Beschuldigte gab an, er habe den Bürgermeister nicht bedrohen wollen. Den Inhalt des Artikels habe er vor dem Absenden nicht gelesen. Er habe den Beitrag selbst zugesandt bekommen und habe ihn nur aufgrund des Titels weitergeleitet.

Nun muss die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob Anklage erhoben wird.