Sachwalterin verzockt Ersparnisse der Tante. "Sie war wie eine Mutter für mich", beteuert 47-Jährige unter Tränen und gesteht beschämt, Geld der Tante veruntreut zu haben.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 29. September 2014 (09:11)
NOEN, www.BilderBox.com

Leise gesteht die 47-Jährige aus dem Bezirk Krems vor Gericht, dass sie sich als Sachwalterin ihrer Tante an deren Sparbüchern und Konten vergriffen habe. Sieben Sparbücher der Verwandten aus dem Bezirk Waidhofen mit einem Gesamtguthaben von 101.000 Euro, wie ihr die Anklagebehörde vorwirft, will sie aber nicht geplündert haben: „Sie hat mir mehrere Sparbücher geschenkt. Die mittlerweile verstorbene Tante war immer sehr großzügig und unterstützte alle Familienmitglieder. Sie verschenkte Geld an Freunde und Bekannte, auch an Leute, die ihr geholfen haben“, beteuert die Gföhlerin.

Geld verspielt

Sie will nur 30.000 veruntreut haben. „Ich finanzierte damit meine Spielsucht. Das Geld verschwand in Automaten“, gesteht die heute hoch Verschuldete. In dem errechneten Schadensbetrag der Anklagebehörde würden die Lebenserhaltungs- und Pflegekosten der Angehörigen fehlen, bekundet die 47-Jährige ihre Zweifel an dem errechneten Schadensbetrag. Sie anerkennt nur 30.000 , die sie der Alleinerbin in Raten auch zahlen will.

Belege für Pflegekosten fehlen

„Sie können keinerlei Ausgaben belegen“, entgegnet Richterin Susanne Daniel. „Ich war als Sachwalterin überfordert. Ich wusste nicht, dass ich alles belegen muss und die Rechnungen für alle Ausgaben aufheben muss“, beteuert die 47-Jährige.

„Sie hätten sich über die Pflichten eines Sachwalters informieren müssen“, kontert die Richterin harsch. Nach dem Beweisverfahren befindet sie die beteuerten Sparbuch-Geschenke als unglaubwürdig: „Die Geldbehebungen begannen erst, als Sie als Sachwalterin eingesetzt waren, nicht schon vorher, als die Tante noch gesund war.“

Die bislang unbescholtene Gföhlerin wird wegen Untreue mit einem Schadensbetrag von an die 100.000 zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten verurteilt (rechtskräftig). Die Geschädigte wird mit ihren Ansprüchen auf den Zivilrechtsweg verwiesen.