Bürger in Sorge um Bäume. Stadtrat Martin Sedelmaier verteidigt Maßnahme. Gesund aussehender Stamm kann täuschen.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 29. Mai 2019 (03:29)
Foto: Johann Lechner
Für Laien unverständlich: Auf Höhe des Hauses Ringstraße 46 fiel ein Ahorn mit fast einem Meter Stamm-Durchmesser der Kettensäge zum Opfer. Der Stumpf, der zurückblieb, sieht völlig gesund aus.

Die Sanierung der Ringstraße (durch das Land) und des Kanals darunter (durch die Stadt), die zahlreiche Bäume entlang der wichtigsten Innenstadt-Verkehrsader das Leben kosten könnte, sorgt für heftige Diskussionen.

Foto: Philipp Monihart
Stadtrat Martin Sedelmaier: „Kein gesunder Baum wird umgeschnitten!“

Nachdem das Projekt auch im Gemeinderat zur Debatte stand und Unbekannte bereits dreimal mit wirren Flugzetteln Stadtchef Reinhard Resch (SPÖ) als „Baummörder“ anzupatzen versuchten, ist die Thematik heikel. Umso mehr Aufsehen erregte das Fällen eines Ahorns auf Höhe des Hauses Ringstraße 46 in der vergangenen Woche.

Der Baum hatte einen Stammdurchmesser von fast einem Meter. Der verbliebene „Anschnitt“ macht einen völlig gesunden Eindruck. „Warum muss die Stadt einen völlig gesunden Baum umschneiden?“, ärgert sich ein Anrainer und weiß sich damit einig mit vielen anderen besorgten Kremsern.

Die NÖN fragte beim für die Liegenschaften zuständigen ÖVP-Stadtrat Martin Sedelmaier nach. „Ich bin diesbezüglich auch schon angerufen worden“, bestätigte der Politiker, dessen Fraktion sich im Stadtparlament als um die Bäume besonders besorgt geriert hatte. „Von einer ,Baumschlägerung‘ in größerem Ausmaß kann aber keine Rede sein.“ Der betroffene Baum, so Sedelmaier nach Rückfrage bei den befassten Magistratsmitarbeitern, sei völlig dürr gewesen. „Solche Bäume sind kaputt, auch wenn der Stamm gesund aussieht“, meint der Mandatar, der selbst Fachmann auf diesem Gebiet ist. „Ursachen dafür können vergangene Stammverletzungen oder ein Auffrieren sein.“ Zwei weitere große Bäume im Bereich des Parkhotels hätten deshalb ebenfalls entfernt werden müssen. „Auch wenn sie auf den ersten Blick vielleicht wunderschöne Stämme haben, sind sie doch krank.“

Einige Bäume leiden an einem „Infarkt“

Unter anderem hätten die Riesen an Baumpilz oder Baumschwammbefall gelitten. Dieser verlege die für den Transport der Nährstoffe zwischen Wurzeln und Krone wichtigen Saftbahnen und unterbreche damit die lebenswichtige Versorgung. Am ehesten sei dies mit einem Infarkt beim Menschen vergleichbar.

Sedelmaier versucht, die besorgten Bürger zu beruhigen: „Ich bin sicher, dass man keinen gesunden Baum umschneidet!“ Es habe für jeden der betroffenen Bäume ein Gutachten gegeben, dessen Aussage eindeutig war: Sie mussten weg.

Der Verfasser der wirren Flugzettel, die in einer dritten Welle in Umlauf gebracht wurden und in denen die NÖN bereits zum zweiten Mal in NS-Diktion als „Lügenpresse“ bezeichnet wird, behauptet erneut, dass sämtliche Ringstraßenbäume weichen müssen. Ihre Blätter (!) seien den Wellen des neuen 5G-Mobiltelefonnetzes ebenso im Wege wie dem Plan einer totalen Überwachung der Bevölkerung. Von einem Verteiler der Pamphlete, der diese auch im Magistrat unters Volk brachte, gibt es mittlerweile ein von einem Magistratsmitarbeiter mit Handy geschossenes Foto.