Eine bewegende „Heimkehr“ nach 74 Jahren. Bis vor Kurzem wusste Ivan Pavlov nicht, wann und wo genau er geboren ist. Jetzt hat er Gewissheit.

Von Petra Vock. Erstellt am 04. Juli 2019 (11:08)
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Konnte erstmals im Leben den Ort seiner Geburt besuchen: Ivan Pavlov (Bildmitte) mit Karl und Ulrike Ruhofer in Schenkenbrunn.

„Bevor ich sterbe, würde ich so gerne einmal den Ort besuchen, an dem ich geboren bin.“ Dieser lang gehegte Traum wurde für Ivan Pavlov wahr: Der 74-jährige Ukrainer wurde auf dem Hof in Schenkenbrunn empfangen, auf dem er seinen ersten Schrei tat.

Eltern verliebten sich in Schenkenbrunn ineinander

Aus Erzählungen seiner Mutter wusste Pavlov: Seine Eltern – der Vater Jugoslawe, die Mutter aus der damaligen UdSSR – hatten sich als Zwangsarbeiter in Schenkenbrunn ineinander verliebt. 1944 kam ihr Sohn Ivan zur Welt. Auf dem Hof der Familie Ruhofer wurden sie gut behandelt, wie die Mutter erzählte, und als der Krieg aus war, gaben die Ruhofers der jungen Mutter noch Babykleidung und Kinderwagen mit auf den Heimweg.

Doch in den Nachkriegswirren wurden die Eltern getrennt. Die Mutter erhielt in der UdSSR neue Papiere – und dem kleinen Ivan wurde ein falsches Geburtsdatum verpasst. Es sollte 24 Jahre dauern, bis er seinem im damaligen Jugoslawien lebenden Vater erstmals begegnete, und 74 Jahre, bis er sein richtiges Geburtsdatum und den genauen Ort seiner Geburt erfuhr.

Langegger Pater hielt das Taufbuch bereit

In der Vorwoche war es so weit: Pavlov konnte dank der Hilfe und erfolgreichen Spurensuche deutscher Freunde um Pastor Ulrich Mildenberger die Reise nach Österreich antreten. In Maria Langegg hielt Pater Johannes Cornides eine Kopie aus dem Taufbuch für ihn bereit und zeigte ihm den Taufbrunnen. Beim Standesamtsverband Mautern bekam er eine Kopie seines Geburtseintrags und konnte erstmals im Leben die Zusendung einer offiziellen Geburtsurkunde beantragen.

In Krems führte ihn Kulturamtsleiter Gregor Kremser zu den Resten des Kriegsgefangenenlagers Stalag XVII B, von wo Pavlovs Vater zur Arbeit auf den Hof nach Schenkenbrunn abkommandiert worden war.

Höhepunkt der Reise war ein Abstecher nach Schenkenbrunn: „Wenn Herr Pavlov seinen Geburtsort besuchen möchte, ist er bei uns herzlich willkommen“, hatten Ulrike und Karl Ruhofer – der Enkel der damaligen Familie Ruhofer – per Post eine Einladung ausgesprochen.

Gerührt über den herzlichen Empfang, der ihm und seinen Reisebegleitern in Schenkenbrunn bereitet wurde, lernte Pavlov den Ort kennen, an dem sein Leben begonnen hatte. Wie viel ihm das bedeutete, zeigte sich, als er ein Plastiksackerl aus der Hosentasche zog. Ob er ein bisschen Erde vom Hof aus Schenkenbrunn mit in die Ukraine nehmen dürfe, fragte er: „Ich wünsche mir, dass man mir diese Erde auf die Brust legt, wenn ich einmal im Sarg liege.“