Andreas Stoehrs Resümee: „Sieben Jahre gerade richtig“. Als Intendant der Schlossfestspiele hat Andreas Stoehr der Operette ein neues Gesicht gegeben. Im Interview spricht er über seine Arbeit und die Begleitumstände.

Von Gertrude Schopf. Erstellt am 16. August 2019 (04:09)
Björn Hickmann
Das Dirigieren ist sein ureigenstes Metier: Andreas Stoehr wird sich nach seinem „Intendanten-Ausflug“ in Langenlois wieder vermehrt seiner Uni- und Konzerttätigkeit widmen.

Mit der letzten Vorstellung der „Csardasfürstin“ auf der Schlossfestspielbühne Haindorf am vergangenen Samstag – übrigens die erste in dieser Saison, die witterungsbedingt abgebrochen werden musste – ging die siebenjährige Intendanz von Andreas Stoehr, Dirigent und Musikuni-Professor, zu Ende. Welches Resümee zieht er?

NÖN: In einem Wort: Wie war’s?

Andreas Stoehr: „Anregend. Anregend und aufregend!“

Warum haben Sie als „gelernter“ Dirigent diese Aufgabe 2013 überhaupt übernommen?

Die Operette gehört zum Rüstzeug und Handwerk eines Dirigenten. Als Erstes habe ich an der Grazer Oper das „Weiße Rössl“ dirigiert. Und im Laufe meiner musikalischen Arbeit zahlreiche ,schwere Intendanten-Kaliber‘ kennengelernt. Und da hat es mich gereizt, die „andere Seite vom Schreibtisch“, sprich die umfassende Arbeit einer ganzen Produktion, zu übernehmen.

Mit welchen Intentionen sind Sie in Langenlois an die Aufgabe herangegangen?

Ich hatte natürlich den Auftrag, die Operette zu entstauben und von festgefahrenen Strukturen zu befreien. Und das ist gelungen. Wobei das eine absolute Gratwanderung war. Vor allem, da man nur eine Produktion im Jahr hat. Was mich am meisten freut: Das lokale Publikum, zuerst sehr skeptisch, ist spätestens nach drei Jahren wieder hinter mir gestanden.

Wie war die Arbeit hier? Es gab ja doch auch wirtschaftliche Zwänge

Es war immer klar, dass die Stadt einen gewissen finanziellen Rahmen einhalten musste und dass ich mich als Intendant nach der Decke strecken wollte. Aber es war da immer ein gegenseitiges Verständnis – trotz der Diskussionen nach jeder Saison. Es ist halt schon eine spezielle Aufgabe für alle Beteiligten, Kultur hierher zu „verpflanzen“, zu hegen und zu pflegen.

Gab es Highlights?

Die letzte Produktion hier, die Zustimmung allerseits, hat gezeigt, dass das Konzept aufgegangen ist. Das macht mich stolz. Und positiv war auch die Aufmerksamkeit, die „Pariser Leben“ erregt hat. Das war – trotz des „Skandals“ – schon sehr gut.

Gibt’s auch einen negativen Beigeschmack?

Dass der Versuch, ein Gesamtfestival mit Konzerten und anderen Side-Events zu etablieren, nicht so angenommen wurde. Dafür gab’s wohl zu wenig Zeit und auch Möglichkeiten.

Wie sehen Sie die Operette in Langenlois in Zukunft?

Wir haben ihr nicht nur ein „Ruckerl“, sondern ein ordentliches Stesserl verpasst. Die Publikumsstruktur hat sich nachweislich verjüngt. Diese sieben Jahre – übrigens ein Zyklus, wie er auch im Leben wichtig ist – waren für die gebotene Veränderung, das Aufbrechen von Strukturen, gerade richtig. Ich würde mir wünschen, dass dieser tolle Standort als Kulturort beibehalten wird. Man muss natürlich auch dazu stehen.

Wenn Sie zurückblicken – was nehmen Sie aus sieben Jahren Langenlois mit?

Ich habe sehr, sehr gern hier gearbeitet und irrsinnig viel gelernt, bin gereift, auch innerlich. Intendant zu sein bedeutet ein Spiel, ein Kräftespiel auszutragen, auch mit vielen Formen von Kritik umzugehen. Und ich hatte viel zu wenig Zeit, den Ort und die Umgebung näher kennenzulernen ...