Fischer schlagen Alarm: „Laichräuber frisst Kamp leer!“. Der niedrige Wasserstand und die hohen Temperaturen begünstigen die Ausbreitung der Schwarzmeergundel.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 26. Juni 2018 (05:49)
Ein Bild aus besseren Jahren: Gernot Haag mit einem prächtigen Aitel. Heuer fingen knapp 20 Petrijünger nur mehr einen einzigen solchen Fisch mit rund 1,5 Kilogramm. Alle anderen gingen leer aus!
privat, Martin Kalchhauser

Seit 29 Jahren führen die „Grunddorfer Petrijünger“ Ende Juni ihr „Anfischen“ durch. Eine so erbärmliche Ausbeute wie heuer hatte man aber noch nie: Rund 20 Hobbyfischer holten in knapp fünf Stunden nur einen einzigen Fisch, einen 1,5 kg schweren Aitel, aus dem Kamp.

Ferdinand „Ferry“ Hauer, Sprecher der „Grunddorfer Petrijünger“, schlägt Alarm: „Schwarzmeergrundel ist der Fluch der NÖ Flüsse!“
Martin Kalchhauser

„Wir befischen das rund fünf Kilometer lange Revier ,Großer Kamp II/8‘, das zwischen Haitzendorf und Stratzdorf liegt“, erklärt Ferdinand „Ferry“ Hauer, der Sprecher der Fischer. „Aber die Entwicklung der Fangstatistik ist alarmierend!“

Die Ursache dafür kennt Hauser: „Die Schwarzmeergrundel, die sich explosionsartig vermehrt, ist der Fluch der heimischen Flüsse!“

Kommt das „Aus“ für die Sportfischerei?

Der Laichräuber, der sich von den Eiern der anderen Fische ernährt, dezimiert den Bestand der Aitel, der Barben und Zander massiv. Pessimisten prohezeien sogar schon das Aus der Sportfischerei im Kamp.

Fischer sind alarmiert: Die Schwarzmeergrundel nimmt auch im Kamp bereits überhand und verdrängt die anderen Fische, deren Eier (Laich) ihr als Nahrung dient. Foto: Shutterstock/Kostiantyn Kravchenko
Shutterstock/Kostiantyn Kravchenko

„Der Große Kamp hat in unseren Revieren in den letzten Jahren durchgängig zu wenig Wasser“, erklärt Hauer. „Aufgrund der Rücksicht auf die Mühlen- und Elektrizitätswerke-Betreiber entfallen für den Fluss nur mehr geringe Restmengen an Wasser.“

Je wärmer das Wasser aber durch die geringe Durchflussmenge werde, desto besser seien die Bedingungen für den aus den Brackwasserbereich des Schwarzen Meeres heraufgewanderten Fisch. Umgekehrt wechseln etwa Zander in Gebiete mit kühlerem (tieferem) Wasser. Genau diese würden aber die Grundeln fressen und den überhöhten Bestand somit wenigstens etwas dezimieren.

Wie viele zugewanderte Fische es im Kamp bereits gibt, zeigte sich bei einem gezielten „Schwerpunktfischen“ im Vorjahr. 118 Stück dieser Fischart holten die Petrijünger in nur zwei Stunden aus dem Wasser!

Eine Lösung fällt Hauer nicht ein. „Fakt ist, dass diese Plage schon schlimmer ist als Fischotter, Reiher und Gänsesäger zusammen!“