Justizanstalt Krems: War Suizid angekündigt?. Fünf Jahre lang gab es in der Justizanstalt Krems nur einen Selbstmord. Jetzt gab es innerhalb einer Woche gleich zwei. Einer davon soll gar mit Ansage gekommen sein.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 08. August 2018 (06:22)
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Zwei Selbstmorde binnen einer Woche – die Justizanstalt Krems stand in den vergangenen Tagen im Zentrum der Aufmerksamkeit.

23. Juli in der Justizanstalt Krems: Ein 46-jähriger Vergewaltiger nimmt sich in der Toilette seines Haftraumes das Leben – die Schnur eines Wäschenetzes dient ihm dazu, sich aufzuhängen. Exakt eine Woche später der nächste Suizid im Kremser „Häfen“. Das Opfer ist dieses Mal ein bekannter Mann aus dem Bezirk, ein 78-jähriger ehemaliger Motorsportler, der in seiner Karriere mehrere Staatsmeistertitel gewonnen hat.

Er saß wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen in Untersuchungshaft. Vergangen haben soll sich der Ex-Rennfahrer an seiner Enkeltochter, zuletzt kamen aber Gerüchte auf, der Mann habe auch andere Opfer gehabt. Schon Jahre zuvor soll er schon einmal eine Haftstrafe wegen eines Sexualdeliktes abgesessen haben.

Ex-Motorsportler wollte Biographie präsentieren

In dem Fall des 78-Jährigen, der im Oktober seine Biographie auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren wollte, wurden nun einige brisante Details bekannt, die die Justiz und ein Krankenhaus in Verlegenheit bringen. Denn der Mann soll schon bei seiner Verhaftung gegenüber Polizeibeamten seinen Selbstmord angekündigt haben: „Wenn das an die Öffentlichkeit gerät, bringe ich mich um.“

Der Mann soll darauf in die psychiatrische Abteilung des Universitätsklinikums Tulln gebracht worden sein. Nach mehrtägigem Aufenthalt soll das Behandlungsteam aus Ärzten und Therapeuten aber zu dem Schluss gekommen sein, er sei nicht suizidgefährdet.

Im Tullner Spital gibt man sich zu dem Fall zugeknöpft. „Aus Gründen des Datenschutzes können wir dazu leider keine Information geben.“ Ähnlich spärlich fällt auch die Antwort aus dem Justizministerium auf die Frage aus, ob man den Mann besser überwachen hätte müssen. „Das Justizministerium kann zu Einzelfällen keine näheren Informationen zur Verfügung stellen.“

Gänzlich unbeantwortet blieb die Frage, ob es den Häftlingen mit der Bereitstellung gewisser Materialien zu leicht gemacht werde, Selbstmord zu begehen.

In der Justizanstalt Krems gab es vor dem Doppel-Suizid nur einen Selbstmord in den vergangenen fünf Jahren. Das Justizministerium verspricht jetzt eine genaue Aufarbeitung beider Fälle. „Die Vorkommnisse und die Abläufe werden genau analysiert und daraus Schlussfolgerungen gezogen, um die zukünftige Präventionsarbeit weiter zu optimieren.“