Bezirk Krems: Maulkorb lässt viele aufjaulen. Neues NÖ Hundehaltegesetz soll für mehr Sicherheit sorgen, stößt aber auf Widerstand vieler Hundeliebhaber.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 12. November 2019 (05:07)
„Sind Teil unserer Familie“: Reinhard Kittenberger mit seinen Mischlingsdamen Sunny (links) und Luna.
Foto: Johannes Mayerhofer

Für ein Aufjaulen sorgt das neue, vom Landtag beschlossene Hundehaltegesetz. Kritik hagelt es vor allem für die verstärkte Beißkorbpflicht „bei größeren Menschenansammlungen“. Gesammelt werden nun sogar Unterschriften für eine Volksbefragung. Die NÖN hörte sich in der Region um, wie dort die verschärften Bestimmungen für Vierbeiner ankommen.

Stolz präsentiert Reinhard Kittenberger seine beiden hündischen Lieblinge: Luna und Sunny, zwei Mischlinge aus einem Tierheim auf Sardinien, gerade einmal fünf Monate alt. Der Gedanke, den beiden einen Beißkorb verpassen zu müssen, wenn sie am Firmengelände unterwegs sind, ist dem Chef der Schilterner Erlebnisgärten ein Graus. „Meine Hündin Flora, die vor vier Wochen verstarb, lief hier stets herum und in 13 Jahren gab es nicht einen Vorfall“, beteuert er.

Kein Wunder, dass Kittenberger ein ausgesprochener Gegner des neuen NÖ-Hundehaltegesetzes ist. Von der Leinen- und Beißkorbpflicht sollen Schulen, Kindergärten, Spielplätze, öffentliche Verkehrsmittel, Bäder und weitere öffentliche Räume erfasst sein. Gemeinden sollen außerdem eigenständig „Hundesicherungszonen“ definieren können, in denen Leinen- wie Beißkorbpflicht besteht. Weiters beinhaltet das Gesetz ein Hundehalteverbot bei gesetzlich erwirktem Waffenverbot und eine Meldepflicht bei der Wohngemeinde, wenn ein Besitzer mit auffälligem Hund den Wohnort wechselt. Ist all das nun sinnvoll oder unnütz und realitätsfremd?

Zahl angezeigter Bisse stark angestiegen

Tatsächlich ist die Zahl der österreichweit angezeigten Hundebisse laut Kuratorium für Verkehrssicherheit in den vergangenen Jahren gestiegen. 2015 waren es 3.000, 2017 bereits 3.600. Nach Auskunft der Bezirkshauptmannschaft Krems gab es dieses Jahr bislang zwölf Vorfälle mit Hundebissen im Bezirk, der Magistrat meldet fünf Fälle im Bereich Krems Stadt. Weiter berichtet Tierärztin Bernadette Auer-Steindl aus Hollenburg von jährlich etwa sechs Fällen in denen Menschen, und weiteren fünf bis sieben Fällen, bei denen andere Hunde verletzt wurden.

Aus Sicht von Novellen-Gegner Kittenberger geht das Gesetz dennoch am Problem vorbei: „Ein großer Teil der Bisse geschieht im privaten Raum.“ Aus seiner Sicht wird der falsche Ansatz verfolgt, denn Schuld „trägt immer der Hundebesitzer“. Lobende Worte findet er für das Wiener Hundehaltegesetz, welches bei Listenhunden den verpflichtenden Hundeführerschein vorschreibt. „Ich bin für Kompetenz und Qualifizierung für Hundehalter.“

Den Effekt, den kompetenter Umgang und Erziehung auf das Hundeverhalten haben, sehe er auch an seinen beiden Mischlingen. „Wenige Wochen Hundeschule und die beiden befolgen bereits erste Befehle.“ Man dürfe Hunde nicht als Gegenstände oder Geschenkware behandeln. Nur viel Einfühlungsvermögen und Verständnis für das Verhalten des Hundes können verhindern, dass der Vierbeiner zur Gefahr für andere werde. Auch der Kremser Tierschutzverband übt Kritik. „Beim Tragen eines Maulkorbes besteht an heißen Tagen die Gefahr eines Hitzestaus“, heißt es dort. Man befürworte verpflichtende Maßnahmen und Schulungen für auffällige Hundehalter, lehne aber pauschale Bestrafungen ab.

Mobilisierung für Volksabstimmung läuft

Auch wenn im politischen St. Pölten bereits ein „Feinschliff“ des Gesetzes angekündigt wurde, mobilisieren Kritiker, wie die Österreichische Suchhundestaffel, bereits für eine Volksabstimmung gegen das Hundehaltegesetz. Diese muss nach der NÖ-Landesverfassung zwingend stattfinden, wenn bis 5. Dezember mindestens 25.000 in NÖ Wahlberechtigte am örtlichen Magistrat eine Unterschrift abgeben oder 50 NÖ Gemeinden sich dagegen aussprechen.

Reinhard Kittenberger hat bereits unterschrieben. „Bei uns dürfen Hunde frei in den Gärten laufen“, sagt er. „Wenn das Gesetz so durchgeht, muss ich aber eine Hundezone einrichten.“

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