Wege in Krems: „Fürs Rad ist das hier Steinzeit“. Nach dem tödlichen Unfall mit einem Fahrradanhänger, bei dem zwei Kinder gestorben sind, ist eine Debatte über das Radwegnetz in NÖ entbrannt.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 13. August 2019 (05:56)
Johannes Mayerhofer
Radfahrer Berthold Schieb an einer seiner „Lieblingsstellen“ in der Stadt Krems: Für die Errichtung eines Schanigartens eines Cafés in Stein wurde hier sogar der Radweg verschwenkt! Foto: Johannes Mayerhofer

Berthold Schieb ist passionierter Radfahrer aus Krems und hält mit seiner Meinung nicht hinterm Berg: „Ich finde, was die Infrastruktur für das Fahrrad betrifft, befindet sich Krems in der Steinzeit. Viele Politiker sind mit dem Dienstauto unterwegs und haben von der Situation der Radfahrer keine Ahnung“, poltert der 71-Jährige.

Sehr gute Situation auf der Ringstraße

Tatsächlich gibt es einige Stellen im Stadtgebiet, die ein Sicherheitsrisiko für Radfahrer und auch Fußgänger darstellen. Eine davon befindet sich in der Alauntalstraße, wo Schieb wohnt. Viele Studenten pendeln mit dem Rad zwischen den IMC-Einrichtungen (dem Campus und den Standorten am Hohen Markt und in der Piaristengassse) hin und her und nutzen dabei die Alauntalstraße. Diese ist allerdings ab der Kreuzung Gaswerkgasse eine Einbahn, ebenso der einseitige Radweg. „Die Lösung wäre ein Fahrradweg, der in beide Richtungen befahrbar ist“, meint Schieb.

Auch Kurt Lenitz von der Radlobby Krems weiß genau, wo sich die Problemstellen für den Radverkehr befinden: „Ein Problembereich ist beispielsweise die Donaulände ab dem Kreisverkehr bei der Landesgalerie. Dort ist ab der Shell-Tankstelle nur mehr auf einer Seite ein Radweg vorhanden.“ Beschwerden gibt es auch immer wieder über den fehlenden Radweg ab der Höhe Bühl Center/Mariandl in Richtung Landersdorf. Gerade an dieser Stelle herrscht meist starker Verkehr.

Sehr gut ist die Situation laut Lenitz dafür auf der Ringstraße. Dort gibt es einen durchgehenden und beidseitigen Radweg. Insgesamt gelte jedoch: „Krems ist eine Autostadt, und so sieht auch die Infrastruktur aus.“ Krems solle sich ein Vorbild an Städten wie Tulln, Wiener Neustadt oder Baden nehmen. Dort seien die Radwege besser und umfassender ausgebaut, es gebe häufiger die Möglichkeit, als Radfahrer gegen die Einbahn zu fahren, und mit mehreren Tempo-30-Zonen sei die Geschwindigkeit der Autos an jene der Radfahrer angeglichen worden. „Je stärker der Tempo-Unterschied, desto größer die Gefahr“, erklärt Lenitz.

„Viele Radunfälle ohne Fremdeinwirkung“

„Es gibt mehr Fahrradunfälle ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer, als man denkt“, berichtet Robert Simlinger. „Nur werden die häufig nicht gemeldet.“ Der 53-Jährige ist ProKS-Gemeinderat und seit einem Jahr Fahrradbeauftragter der Stadt Krems.

Er betont, dass es mit den Verbesserungen für die Sicherheit der Radfahrer in Krems nur schleppend vorangehe. Immerhin kämpfe man für mehr schräge Radwegauffahrten. Außerdem sei der Radweg auf der Wienerstraße bis zum Bühl Center erweitert worden. Auch beim Radweg auf der Steiner Seite der Mauterner Brücke sei umgebaut und verbessert worden. Ein Problem entstehe durch die zunehmende Verbreitung der E-Bikes. „Damit sind heute Menschen auf Strecken unterwegs, wo früher nie ein Radfahrer hingekommen ist, etwa im Bründlgraben oder nach Egelsee hinauf“, erläutert Simlinger. „Dort gibt es demnach so gut wie keine Sicherheitsinfrastruktur für Radfahrer.“

Radweg wurde für ein Café eigens verlegt!

Zurück bei Radfahrer Schieb aus der Alauntalstraße. Der Pensionist hat eine zweite „Lieblingsstelle“, an der er mit seinem Rad gerne vorbeikommt: Das Café Raimitz an der Donaulände. Dort wurde der Sitzbereich erweitert, der angrenzende Radweg deshalb nach außen verlegt. Eine Gefahr sei, dass manche Café-Besucher unachtsam durch die Ausgänge des Gastrobereiches direkt auf den Radweg treten. Zudem: „Viele Fußgänger wissen das nicht und gehen auf dem Radweg.“ Hier brauche es mehr Markierungen. Eine einzige gibt es, jedoch: „Die kam auch erst, als ich mich beschwert habe.“

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