Krems

Erstellt am 28. Dezember 2016, 06:03

von Udo Sagl

„Fall Osberger“ wird zum Justizkrimi. Das wird mehr als spannend: Der Mordanschlag auf Hannes Hirtzberger beschäftigt erneut das Gericht.

Lebenslang! Helmut Osberger (hier auf dem Weg zu seinem Prozess) sitztderzeit in Stein und wartet auf eine Operation.  |  NOEN Archiv

„Ich bin unschuldig. Ich habe den Hannes nicht vergiftet.“

Lebenslanges Wachkoma: Giftopfer Hannes Hirtzberger.  |  NOEN

Es war im März 2009, als Helmut Osberger beim Einspruchsverfahren vor dem Obersten Gerichtshof eindringlich beteuerte, mit dem Mordanschlag auf den Bürgermeister von Spitz nichts zu tun zu haben. Trotzdem erhielt der Angeklagte die Höchststrafe – lebenslang! Jetzt kämpft der mittlerweile 64-jährige Heurigenwirt erneut um seine Freilassung. „Es geht ihm schlecht“, sagt sein Verteidiger und Freund, der Linzer Rechtsanwalt Kurt Wolfmair.

Verlegung von Karlau ins „Heimatgefängnis“

Osberger ist vor einigen Monaten von Graz-Karlau ins „Heimatgefängnis“ nach Stein verlegt worden.“

Das hat vor allem medizinische Gründe: Der Langzeit-Häftling leidet nicht nur an psychischen Problemen, sondern auch an einem Wirbelsäulenschaden, der eine baldige Operation (in Krems) erfordert.

Spurenträger: Grußkarte auf dem Wagen des Opfers.  |  NOEN

Davon unabhängig, hat Anwalt Wolfmair in der Vorwoche einen offiziellen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens eingebracht. Grundlage der Initiative ist ein Gutachten von vier Professoren der Uni München, die behaupten, die Vergiftung von Hannes Hirtzberger, der seit dem Attentat im Koma liegt, sei nicht – wie angenommen – durch eine präparierte Praline erfolgt.

Wolfmair: „Die im Körper von Hirtzberger festgestellte Menge an Strychnin hätte mit fünf Gramm niemals in die Praline gepasst.“ Das widerspricht der Expertise von Gerichtsgutachter Christian Reiter, der von 0,7 Gramm ausgegangen war.

DNA-Spur bleibt ein entscheidender Faktor

Eine entscheidende Frage bleibt aber in jedem Fall offen: Wie kam die DNA-Spur des Verurteilten auf die Grußkarte, die dem Pralinen-Geschenk beigefügt war? Der Anwalt argumentiert, dass es dafür einige mögliche Erklärungen gebe, die er detailliert untermauern könne. Aus der Sicht von Wolfmair gibt es jedenfalls trotz DNA-Spur einen Kreis von „denkmöglichen anderen Tätern“.

In diese Richtung hatte auch schon der inzwischen verstorbene „Lucona“-Aufdecker und Privatdetektiv Dietmar Guggenbichler ermittelt – allerdings ohne Erfolg.