Krems verbietet Feuerwerk zu Silvester. Stadt steht vor ruhigem Jahreswechsel. Pyrotechniker Pinto bangt nach Katastrophenjahr um seine Existenz.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 02. Dezember 2020 (05:46)
Thomas Köchl, Geschäftsführer des Wachauer Traditionsunternehmens Pinto, könnte in diesem Jahr auf seiner Ware sitzen bleiben.
Archiv/Lechner

In der Stadt Krems wird heuer auch der Jahreswechsel besinnlich. Bürgermeister Reinhard Resch hat am Montag die Ausarbeitung einer Verordnung in Auftrag gegeben, die das Abschießen von Feuerwerkskörpern zu Silvester verbietet.

Gesundheit, Sicherheit und Umwelt als Argumente

„In Zeiten einer Pandemie sind mir die Gesundheit, inklusive der Situation in den Spitälern, die Sicherheit von Menschen und Tieren und die Auswirkungen auf die Umwelt wichtiger, als es krachen zu lassen“, erklärt der Stadtchef gegenüber der NÖN.

Zuvor war österreichweit eine Debatte entflammt, ob ein Feuerwerksverbot zum Jahreswechsel ausgesprochen werden sollte. Hintergrund ist die Sorge, dass Unfälle mit Silvesterkrachern die Krankenhauskapazitäten weiter belasten und, dass bei feucht-fröhlichen Feiern die Abstandsregeln nicht eingehalten werden.

Die Kompetenz für eine solche Entscheidung liegt bei den Ländern. Niederösterreich übertrug den Gemeinden die Verantwortung. Mit Krems deklarierte sich nun die erste größere Stadt im Bundesland.

„Wenn Silvester in die Hose geht, habe ich bis Oktober für niemanden mehr eine Arbeit.“ Thomas Köchl, Geschäftsführer der Firma Pinto

Eine existenzgefährdende Situation in einem ohnehin schon katastrophalen Jahr würde ein flächendeckendes Feuerwerksverbot um den Jahreswechsel für die wenigen Hersteller von Pyrotechnik in Österreich schaffen. Einer von ihnen hat seinen Firmensitz in Aggsbach Markt. Thomas Köchl ist Geschäftsführer des Traditionsunternehmens Pinto, das seit 1933 in der Wachau produziert.

Er spricht von einer „öffentlichen Hinrichtung des Pyrotechnikhandels“ und malt ein dunkles Bild: „Wenn Silvester in die Hose geht und wir unsere Ware im Jänner eins-zu-eins zurückbekommen, habe ich bis Oktober für Niemanden mehr eine Arbeit.“

Aktuell beschäftigt Köchl vier Mitarbeiter – sechs weniger, als zum selben Zeitpunkt im Vorjahr. Einige hätten die Firma ob der schlechten Zukunftsaussichten freiwillig verlassen, andere, die in der Produktion tätig sind, habe er gar nicht erst wieder vom AMS abgemeldet, erzählt Köchl.

60 Prozent Umsatz rund um den Jahreswechsel

Abgesehen vom finanziellen Verlust – 60 Prozent des Jahresumsatzes entfallen auf die Zeit rund um den Jahreswechsel – wäre ein Feuerwerksverbot auch aus einem anderen Grund eine bittere Pille. Seit Ende September laufen die Vorbereitungsarbeiten für den aus Pinto-Sicht wichtigsten Tag im Jahr, unzählige Arbeitsstunden wären vergebene Liebesmüh gewesen.

Dabei ist die Stimmung bei Köchl ohnehin schon länger im Keller. Von den 80 für 2020 geplanten Veranstaltungen – vor allem Messen, Hochzeiten und Sonnwendfeiern, aber auch Perchtenläufe –, bei denen seine Firma für das Feuerwerk gesorgt hätte, seien 76 abgesagt worden.

Die Beweggründe, die Bürgermeister Resch für das Feuerwerksverbot ins Treffen führt, will Köchl nicht gelten lassen. Der Pyrotechniker meint, dass von jährlich 200 Verletzungen durch Feuerwerkskörper 190 maximal ambulant behandelt werden und nur ein bis zwei Personen über Nacht im Spital bleiben müssen. „Und die, die sich schwer verletzen, haben gar keine Ware aus Österreich“, spricht Köchl Silvestereinkäufe jenseits der tschechischen Grenze an.

Den umweltschädigenden Faktor des Feuerwerks sieht Köchl durch eine im November erschienene Studie, die die Wirtschaftskammer in Auftrag gegeben hat, widerlegt. Darin wird der Feinstaubanteil an den jährlichen Gesamtemissionen, der durch Feuerwerk verursacht wird, mit 0,28 Prozent beziffert.

Das Umweltbundesamt meldet auf NÖN-Anfrage einen ähnlichen Wert (0,4 Prozent). Dennoch sei es so, dass je nach den meteorologischen Bedingungen Silvesterfeuerwerke für mehrere Feinstaubtage verantwortlich sein können.

Für das Feuerwerksverbot ist auch Nina Zinn-Zinnenburg, die Obfrau des Tierschutzvereins Krems. „Neun von zehn Hunden sind sehr ängstlich und panisch zu Silvester.“

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