Sechs „Hiata“ feierlich in Dienst gestellt. Festakt mitten in den Weinrieden mit herrlichem Blick auf die Donau. Erstmals auch eine Frau in bisheriger Männer-Domäne.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 27. August 2018 (08:57)

Mit Johanna Stoiber war heuer erstmals auch eine Frau unter den Weingartenhütern der Stadt Krems, die im Rahmen einer festlichen Zeremonie angelobt wurden.

Sechs „Aufpasser“ für die Weingärten

Mit ihr gemeinsam passen als Hiata Erwin Tauchner (so wie seine weibliche Kollegin für Krems-Stadt zuständig), Erwin Atzmüller und Ernst Hirschmüller (Krems-Stein) sowie Lukas Hagen und Benedikt Faltl (Rehberg) auf die Trauben der Winzer auf.

Die Angelobung fand in den Rieden über den Kremser Stadtteilen Förthof und Stein mit herrlichem Ausblick auf die Donau und das gegenüber liegenden Stift Göttweig statt.

Gemeinsamer Marsch in die Weinberge

Gemeinsam mit vielen Gästen ging es am Samstag, 25. August, zu Fuß zum Festakt in die Weinberge. Am Weg erhielt das Kreuzmarterl, das Erwin Atzmüller vorbildlich renoviert und für welches er das Bild gespendet hat, den Segen des Pfarrers Karl Schrittwieser. Am Ziel empfing ein Ensemble der Stadtkapelle Krems ebenso die Gäste wie eine kleine Stärkung.

Segen für Hütte, Plaketten für die Hiata

Pfarrer Schrittwieser spendete auch der „Hiathittn“ (Hüter-Hütte), die 2017 renoviert wurde, den Segen. „Die ist wichtig, damit die Hiata wo jausnen können“, betonte Hauervater Johann Resch der zur feierlichen Vergabe der Plaketten und Ausweise unter anderem auch Vorgänger Eduard Felsner, Ehrenvorsitzenden Franz Ilkerl sen., Bauernkammer-Obfrau Ida Steininger, Vizebürgermeister Erwin Krammer, Rehbergs Weinbauvereins-Chef Franz Ilkerl jun. und Weinbauschul-Direktor Dieter Faltl begrüßte.

Maßnahme gegen „ungenierte Frühlese“

In seinen Worten erinnerte Schrittwieser daran, dass es tatsächlich Menschen gebe, die „ungeniert mit der ,Frühlese‘ in fremden Weingärten beginnen“ und betonte, dass das  7. Gebot („Du sollst nicht stehlen!“) immer wieder vergessen werde. Die Weingartenhüter hätten die ehrenvolle Aufgabe, auf das Eigentum anderer Menschen aufzupassen.

An raue Sitten in früherer Zeit erinnert

Stadtchef Reinhard Resch war es dann vorbehalten, die Angelobung der Hiata vorzunehmen und einmal mehr zu betonen, dass es Ziel der Stadt Krems sei, bis 2030 zur führenden Weinstadt im gesamten Donauraum zu werden.

Er zitierte aus alten Quellen wie der Weinbauordnung aus 1352, in der den Hiatan ausdrücklich erlaubt war, „jeden, der einen fremden Weingarten bewaffnet betritt, zu töten“. Wer mehr als drei Trauben entwende sei „ein schändlicher Mann“. 1710 wurde die Ordnung laut Resch dann abgeschwächt: „Die Hiata dürfen dem Traubendieb ,nur‘ ein Ohr oder die Hand abschneiden.“

Gedicht und Harmonikaklänge kamen an

Dies animierte Resch zur scherzhaften Replik: „Mit dem Gewehr auf Diebe schießen dürfen unsere Hiata nicht. Aber mit dem Fuß treten dürfen sie.“ Tief beeindruckt zeigten sich viele Gäste des gemütlichen Festaktes von der auswendigen (!) Rezitation eines vielstrophigen Heimatgedichts durch die fast 90-jährige Heurigenwirtin Christl Petz. Mit seiner Harmonika unterhielt Hans Kogler die Schar.