Proteste „gegen Verschandelung“ von Alter Schmiede. Ein Bauvorhaben mitten in der Steiner Altstadt entsetzt Steiner Bürger: Die Alte Schmiede mit Baukern aus dem 16. Jahrhundert wird großzügig um- und ausgebaut.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 06. Mai 2020 (05:09)

„Alles in Ordnung“, heißt es zu einem aktuellen Bauprojekt im Stadtteil Stein aus der Bauabteilung des Kremser Magistrats. „Man sollte sich gegen diese Verschandelung wehren“, tönt es aus den Reihen der Anrainer und anderer um das Stadtbild besorgter Bürger.

Die Alte Schmiede in Stein an der Adresse Steiner Landstraße 94 hat einen Baukern aus dem 16. Jahrhundert und entstand aus ursprünglich zwei Gebäuden, die durch eine hochgezogene Giebelmauer zusammengefasst wurden. Die Fassade wurde 1715 mit Eckquaderung und einem Kordonband gestaltet, die Erdgeschossräume sind durch Stichkappentonnen des 16. und 17. Jahrhunderts gewölbt. Mitte des 19. Jahrhunderts war dort noch eine offene Hufschmiede in Betrieb.

Jetzt baut der neue Eigentümer des Objekts Kleinwohnungen (vermutlich zur Vermietung an Studenten) an und erweitert das Haus entsprechend. „Es wird der gesamte Ensemblecharakter zerstört“, moniert eine Steinerin, die sich mit ihrem Protest auch an Baudirektor Reinhard Weitzer gewandt hat. „Der Zubau zerstört die ganze Steiner Landstraße, denn es gibt sonst nichts, was auch nur in die Nähe dieser Hässlichkeit kommt.“

Mehrere Anrainer, die schon lange vor diesem Vorhaben warnten, aber im Bauverfahren keine Chance auf irgendeine Einflussnahme hatten, stoßen ins selbe Horn.

„Es ist alles korrekt gelaufen“, stellt hingegen Weitzer fest. „Das Haus wird nur ein Stückchen höher, als es war. Man sollte sich vom Rohbau nicht täuschen lassen!“ Das Verfahren sei unter Wahrung aller Anrainerrechte abgeschlossen, betont der Baudirektor. Auch der – nicht unumstrittene – Gestaltungsbeirat der Stadt Krems erteilte dem Vorhaben seine Absolution.

Obwohl die Alte Schmiede auf einer Liste der denkmalgeschützten Gebäude in Stein aufscheint, dementiert Weitzer dies: „Es gibt keinen Denkmalschutz und auch sonst keinen speziellen Schutz.“

Seitens des Bundesdenkmalamtes blieb eine Anfrage zum gegenständlichen Objekt bis zum Redaktionsschluss offen.

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