Symposion im Stift Dürnstein. Die dritte Auflage des Symposions Dürnstein in der Wachau steht diese Woche unter dem Motto "Die Krise und das Gute (sic!) Leben".

Erstellt am 07. März 2014 (09:39)
NOEN, © Donau Niederösterreich / Steve Haider
Den Eröffnungsvortrag hielt am Donnerstagabend der Wirtschaftswissenschafter Tomas Sedlacek, Chefvolkswirt der Tschechischen Handelsbank. Drei Tage lang wird im Prälatensaal des Stifts Dürnstein über ethische, politische und kulturelle Aspekte zum Thema referiert.

"Diskurs zwischen Politik, Religion und Philosophie stärken"

Keine philosophische Fachtagung initiieren, sondern "den in Österreich nicht sehr ausgeprägten Diskurs zwischen Politik, Religion und Philosophie stärken" will Kuratorin Ursula Baatz mit der international besetzten Veranstaltung, wobei dem Transfer in den Alltag wesentliche Bedeutung zukomme.

Was gutes Leben ausmacht, darüber gehen die Ansichten auseinander, meint Baatz: "Die einen träumen von einem Technik-Paradies, andere vom 'Zurück zur Natur', man beschwört traditionelle Werte oder fragt nach der Nützlichkeit, bevorzugt individualistische Lösungen oder sucht nach sozialem Zusammenhalt. Doch selbst Geld, Gesundheit und gute medizinische Versorgung scheinen nicht mehr ausreichende Garantien für gutes Leben."

In diese Kerbe schlug auch Sedlacek, der in seinem Vortrag über das Verhältnis von Kalkulation und Mythos bis zur Genesis zurückging ("Die Erbsünde ergab sich aus Überkonsum") und einige provokante Thesen aufstellte ("Es ist ein unbewusster Mythos, dass Unterdrückung nur von oben erfolgt"). Auch unter perfektesten Voraussetzungen gebe es kein perfektes System, das nicht irgendwann einem Crash erliege.

Breites Referenten-Team: Vom britischen Ökonomen bis zu Mieze Medusa

Für Entfremdung werde meist der Kapitalismus verantwortlich gemacht, doch auch der Kommunismus habe dieses Phänomen nicht überwunden, meinte Sedlacek, der den Wunsch nach Zufriedenheit in Verbindung mit Fortschritt und Freiheit grundsätzlich infrage stellte: "Selbst im Garten Eden waren die Menschen unzufrieden."

Zu den weiteren Referenten zählen der britische Ökonom Robert Lord Skidelsky ("How much is enough?"), der österreichische Genetiker Markus Hengstschläger ("Wissenschaft als Zukunftsvorsorge"), die Slammerin Mieze Medusa und der bolivianische Politikwissenschafter Oscar Vega Camacho.

An Podiumsdiskussionen nehmen u. a. der Philosoph Rudolf Pfaller, "Augustin"-Redakteur Robert Sommer und Christian Felber, Mitinitiator der Bank für Gemeinwohl, teil.