ÖVP ortet „Baummord“ auf Kremser Ringstraße. Diskussion um Kanalsanierung im Gemeinderat wurde zu heftigem Schlagabtausch.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 09. Mai 2019 (05:49)
Die Ringstraße wird zur Großbaustelle. Darüber, wie viele Bäume dafür dran glauben müssen, gab es eine heftige Debatte.
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Viel Zündstoff birgt das Millionenprojekt Kanalsanierung Ringstraße, das im Zuge der Erneuerung der Fahrbahn durch das Land erfolgen soll (die NÖN berichtete). SPÖ-Stadtrat Werner Stöberl brachte den Antrag auf Erstellung eines wasserrechtlichen Projekts für 1.600 Meter zwischen Austraße und Zeller-Platz sowie des Einreichplanes durch die Hydroingenieure (97.214 Euro) im Gemeinderat ein. Doch diskutiert wurde nur über Bäume …

ÖVP fürchtet, dass mehr als 60 Bäume fallen

ÖVP-Vize Erwin Krammer monierte, dass den Kremsern eine 12-jährige Bauzeit ebenso wenig zuzumuten sei wie das Fällen von 33 Bäumen nördlich der Straße und aller im Süden bei einer kürzeren Bauzeit. „Das wären mehr als 60 Bäume, das hat auch einen ökologischen Aspekt! Jeder einzelne Baum ist es wert, erhalten zu werden.“

Um den „Baum-Appell“ entspann sich eine Debatte, in der der ÖVP vorgeworfen wurde, als Regierungspartei einst nicht so zimperlich vorgegangen zu sein, wie auch Grün-Mandatarin Sandra Mayer anmerkte. „Es sind mehrere Bäume leider kaputt.“ Sie freue sich aber auf die Pflanzung von 40 neuen. „Ich erinnere mich, dass bei viel einfacheren Projekten plötzlich alle Bäume weg waren“, meinte auch KLS-Gemeinderat Wolfgang Mahrer. Und SPÖ-Stadtrat Günter Herz versprach, man werde „alles tun, dass jeder Baum, der zu retten ist, gerettet wird“.

SPÖ-Stadtchef Reinhard Resch („Ich bin mir jetzt vorgekommen wie im falschen Film!“) betonte, dass Zeit sei, weitere Modelle zu entwickeln. Man werde sich mit dem Land koordinieren und eine nur geringe Einschränkung der Wirtschaft anpeilen. „Es werden aber nicht alle Bäume zu retten sein.“

Dass Krammer später „nachlegte“ und meinte, man stehe „als ÖVP für einen unnötigen Baummord nicht zur Verfügung“, brachte SPÖ-Vize Eva Hollerer in Fahrt. Sie ortete eine „Inszenierung“ und hob die Wichtigkeit der Maßnahmen für die Umwelt „unter der Erde“ hervor. „Man sollte hier die Bürger nicht veräppeln!“ Umwelt-Gemeinderat Albert Kisling („Ich bin von Erwin Krammers Populismus überrascht!“) rechnete vor: Unter Stadtchef Franz Hölzl seien rund 100 Bäume nachgepflanzt worden, unter Resch schon über 4.000.

Der Antrag wurde letztlich einstimmig verabschiedet.