Foto sorgt für Aufregung um Gföhler „Wölfe“. Sah junger Mann zwei Wölfe mitten im Gföhler Ortsgebiet? Landwirt behauptet, es seien seine streunenden Hunde gewesen.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 20. März 2019 (06:33)
privat, Johann Lechner
Wölfe oder Hunde? Zu diesem Foto eines jungen Waldviertlers gab es in den vergangenen Tagen viel Diskussionsbedarf.

Sonntag, 10. März, 3 Uhr morgens: Alexander M., ein junger Mann, fährt nach dem Feiern durch Gföhl in Richtung Zwettl nach Hause. Von der Wurfenthalstraße kommend biegt M. in die Josef-Edhofer-Gasse ein, als ihm bei der Kreuzung zur Zwettler Straße der Atem stockte.

Unmittelbar vor der Polizeiinspektion trotteten zwei Tiere nebeneinander her. „Ich war froh, dass ich in meinem Auto saß. Es konnte sich um Schäferhunde oder auch um Wölfe handeln“, schildert M. sein Erlebnis.

Im Auto sitzend, zückte der junge Mann sein Handy und machte ein Foto von den beiden Gefährten. „Leider wurde die Aufnahme durch die Dunkelheit und das Fotografieren hinter der Windschutzscheibe unscharf“, erklärt M. die schlechte Qualität des Bildes. Die Tiere seien anschließend an die unheimliche Begegnung in Richtung Hauptplatz gelaufen.

Wolfsexperte Rauer: „Ist sicher ein Hund“

In Gföhl sorgte das Foto für erheblichen Wirbel. Über verschiedene Whatsapp-Gruppen verbreitete es sich in der ganzen Stadt – und sogar darüber hinaus.

privat, Johann Lechner
„Auf dem Foto sind unsere Hunde zu sehen!“, sind sich Andreas und Brigitte Hofbauer – im Bild mit ihren Hunden Ricki und Jessy – sicher.

Auch Wolfsbeauftragter Georg Rauer vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien kam bald in den Besitz des Fotos. Für ihn ist der Fall klar: „Das hintere Tier trägt ein Halsband und ist sicher ein Hund, das sieht man an Statur, Färbung und Ohren. Das vordere ist nicht so eindeutig, aber in Anbetracht der Unschärfe des Fotos kann man wohl davon ausgehen, dass es auch ein Hund ist.“

Diese These unterstützt auch ein Gföhler Landwirt, der jetzt behauptet, auf dem Foto seien seine beiden Hunde zu sehen. „Ich habe einen Collie-Schäfer-Mischling und einen Labrador-Schäfer“, erklärt Andreas Hofbauer, der unmittelbar neben der Polizeiinspektion in der Zwettler Straße wohnt. Der Beweis, dass es sich um seine Hunde handle? „Das leuchtende Halsband beim hinteren Tier.“

Doch was haben die Tiere mitten in der Nacht frei herumlaufend in Gföhl verloren? „Meine Schwiegermutter hat sie in der Nacht rausgelassen. Da gehen sie kurz runter und machen ihr Geschäft.“

„Wenn ein Schäferhund geht, hat er den Kopf in der Höhe.“Jagdaufseher Gerhard A.

Einer, der dieser Geschichte nicht unbedingt Glauben schenken will, ist Gerhard A. (Name von der Redaktion geändert). Er ist Jagdaufseher im Waldviertel und hat sich genau mit dem Foto beschäftigt. „Das vordere Tier sieht aus wie ein Wolf. Wenn ein Schäferhund geht, hat er den Kopf in der Höhe.“

Ein weiteres angebliches Indiz dafür, dass es sich um Wölfe handelt: „Die Sockelhöhe des Gebäudes im Hintergrund beträgt 110 Zentimeter, ich habe es abgemessen. Durch den Farbunterschied sieht man schön, dass die Schulterhöhe der Tiere um die 80 Zentimeter beträgt. Ein Schäferhund, der 70 Zentimeter hoch ist, wäre schon ungewöhnlich.“

Doch was ist mit dem leuchtenden Halsband des hinteren Tiers? „Das könnten seine Augen sein, die in die Kamera blicken“, so A. „Stimmt nicht“, sagt Wolfsexperte Rauer. „Wenn Augen im Scheinwerferlicht leuchten, dann reflektieren sie punktförmig und beleuchten nicht irgendetwas.“

Ob Hunde oder Wölfe, der aktuelle Fall in Gföhl zeigt, wie hoch die Nervosität rund um den Wolf in der Bevölkerung ist, das weiß auch Rauer: „Die Leute sind sensibilisiert und besorgt. Die Stimmung kann sich rasch aufschaukeln.“