Geiger und Volksmusik-Experte Rudi Pietsch tot. Im 69. Lebensjahr verlor am 5. Februar der bekannte Tanzgeiger und Volksmusikexperte Rudi Pietsch den Kampf gegen seine schwere Krankheit.

Von Martin Kalchhauser und APA . Update am 06. Februar 2020 (10:57)
Rudi Pietsch
privat/Margit Werner

Der Musiker und Musikvermittler Rudolf Pietsch (68) ist tot. Der Tanzgeiger und Volksmusikexperte starb in der Nacht auf Mittwoch in Krems.

Leben der Musik verschrieben

Geboren am 17. Oktober 1951 in Wien, studierte Pietsch zunächst an der Universität für Musik und darstellende Kunst (mdw) Musikerziehung, bevor er an der Universität selbst seine wissenschaftliche Karriere startete. Seit 1981 Lehrbeauftragter, wurde er 1982 Hochschulassistent und 1988 schließlich Assistenzprofessor an der mdw.

Volksmusikforschung im Zentrum

Dort war er 1992 bis 1993 auch mit der interimistischen Leitung der Lehrkanzel für Geschichte und Theorie der Volksmusik betraut, bevor er 2011 bis 2016 stellvertretender Leiter des Instituts für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie wurde. Auch nach seiner Versetzung in den Ruhestand 2016 blieb Pietsch bis zum vergangenen Jahr der Institution als Lehrender erhalten.

Mit Krems sehr eng verbunden

Der Instrumentensammler näherte sich seinem Forschungsgegenstand aber stets aus der Praxis. Pietsch war selbst als Musikant tätig. Durch das Festival „Glatt & Verkehrt“ kam er einst nach Krems, wo sein manchen noch sein legendäres musikalisches Duell mit dem Blasmusiker Thomas Gansch am Pfarrplatz in Erinnerung ist. Auch als langjähriger musikalischer Leiter der Formation "Die Tanzgeiger" war der Verstorbene in Krems gut bekannt. Seit 2012 war er Träger des Würdigungspreises des Kulturpreises des Landes NÖ, erhielt im selben Jahr den Tobi Reiser Preis und wurde 2016 mit der Verdienstmedaille in Gold der mdw bedacht.

Engagement für Volkskultur

Pietsch war ein langjähriger Wegbegleiter der Volkskultur Niederösterreich und prägte vor allem die Aufbauzeit (1980/90er-Jahre) mit. Er war 1980 Mitbegründer und danach oftmaliger Referent der Niederösterreichischen Musikantenwoche. Zahlreiche Volksmusikgruppen haben sich dank seines Engagements gegründet, haben mit ihm geübt und sind durch ihn gewachsen. Beim ersten Volkskulturfestival aufhOHRchen 1993 in Tulln war er im Konzeptteam und mit den Tanzgeigern mit dabei. Im Dezember 1997 gestaltete er mit dem Heanznquartett das künstlerische Programn anlässlich der Eröffnung des Seminar- und Ausbildungszentrums in Atzenbrugg. „Sein Leben gehörte der Musik. Er wird durch sein einmaliges Schaffen und Wirken weiterleben. Trotzdem wird er uns sehr fehlen“, sagt Dorli Draxler, Leiterin der Volkskultur Niederösterreich.

Trauer in großer Familie

Seit 15 Jahren war Rudi Pietsch mit der Steiner Salzstadl-Wirtin Margit Werner verheiratet. Mit ihr trauern deren vier Kinder und vier eigene aus einer vergangenen Ehe um den Verstorbenen, der zuletzt auf der Palliativstation des Kremser Klinikums begleitet wurde. Er wird nach Angaben der Familie in kleinem Kreis beigesetzt. Später wird es aber eine große musikalische Gedenkfeier für Pietschs riesigen Kreis an Freunden und Wegbegleitern geben.