Wachauer Weingut Prager schafft Falstaff-Hunderter. Wachauer Grüner Veltliner bekam bei Falstaff seltene Höchstbewertung. Straßer Produkt ist bester Schaumwein Österreichs.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 15. Juli 2020 (05:13)
Toni Bodenstein (Weingut Prager): Mit dem Grünen Veltliner Smaragd Ried Zwerithaler Kammergut aus 2019 gelang dem Winzer der große Wurf: „Ich freue mich, aber empfinde auch ein gehöriges Stück Demut.“
Martin Kalchhauser

Erfreuliche Nachrichten für die Weinwirtschaft in der Region hat das Magazin falstaff: Die extrem seltene Bewertung mit 100 Punkten (Maximum!) gab es für einen Wein aus dem Weißenkirchner Weingut Prager. Und aus dem Straßer Winzerhof Topf kommt der beste Sekt des Landes.

Toni Bodenstein (Weingut Prager): Mit dem Grünen Veltliner Smaragd Ried Zwerithaler Kammergut aus 2019 gelang dem Winzer der große Wurf: „Ich freue mich, aber empfinde auch ein gehöriges Stück Demut.“
Martin Kalchhauser

„Wir freuen uns über jede gute Bewertung – über diese natürlich besonders.“ Toni Bodenstein, Winzer im Weingut Prager in Weißenkirchen, hat es geschafft: Einer der allesamt Top-Weine des Hauses wurde vom Magazin Falstaff mit der extrem selten vergebenen Höchstwertung von 100 Punkten belohnt. „Ich habe aber auch ein gehöriges Stück Demut, denn wir haben noch viel zu lernen.“

„Wir müssen uns als Manufakturen von der großen Weinindustrie abgrenzen!“ Winzer Toni Bodenstein

Der Erfolg gelang mit einem Grünen Veltliner Smaragd, Ried Zwerithaler Kammergut. „Der 2019er war ein besonderes Geschenk“, spielt Bodenstein auf die „9er-Jahre“ als besondere Weinjahre an. „Aber wir begleiten die Rebe immer das ganze Jahr über und versuchen, ihren Ansprüchen gerecht zu werden.“ Der 62-jährige Weißenkirchner verweist auf „Verständnis für die Reben“, das nötig sei und empfindet es als „großes Geschenk, dass man hier leben und arbeiten darf“.

Ein besonderer Ansporn sei, darüber nachzudenken, wie man mit dem Klimawandel umgehen sollte. „Wir spüren den seit dem Hitzejahr 2003 jedes Jahr aufs Neue. Es hat sich da sehr viel verändert!“ Bodenstein appelliert, die Symbiose (Partnerschaft) zwischen Rebe und dem Mykorrhiza-Pilz verstehen zu lernen und zu fördern. Besonders wichtig ist dem Winzer aber, dass sich die Winzer gerade in der Wachau mit ihren geologischen Besonderheiten als Manufakturen von der Weinindustrie abgrenzen müsse.

Neben dem Grüner Veltliner, der auf rund 60 % der 16,5 Hektar großen Weinfläche wächst, gilt dem Grünen Veltliner (rund 40 %) das große Augenmerk. Bis zu 60 Jahre alte sind die Rebbestände dieser Sorte in den Lagen Achleiten und Zwerithaler, aus deren letzterer auch der nun geadelte Wein stammt. Für Toni Bodenstein ist auch die große genetische Vielfalt wichtig, denn kaum einer dieser alten Rebstöcke gleicht dem anderen. Daher stellen die alten Rebbestände eine wichtige Genreserve für die Zukunft dar.

Die Brüder Hans-Peter und Maximilian Topf mit ihrem Vater Hans (von links): Die „Große Reserve 2014“ aus Straß im Straßertale wurde als der beste Schaumwein Österreichs ausgezeichnet.
Foto: POV.at/Robert Herbst

Freude herrscht auch im Weingut Topf in Straß. Die Große Reserve 2014 holte mit 95 Falstaff-Punkten den Sieg in der Schaumwein-Wertung. „Das zarte Mousseux der Großen Reserve entsteht durch den langen Kontakt auf der Hefe, nachdem er in Flaschen vergoren fünf Jahre lang im Keller des Weinguts bis zu seiner Trinkreife lagert“, erklärt Junwinzer Hans-Peter Topf.

Perfekter Mix aus vier Weinsorten gelungen

Hans-Peter Topf trägt mit seinem Bruder Maximilian, Vater Hans und Mutter Magdalena in fünfter Generation Verantwortung für den Betrieb mit rund 50 Hektar Anbaufläche. Trauben mit Grünem Veltliner, Blauburgunder, Chardonnay und Weißburgunder aus den 1992 ausgesetzten Rieden Hasel, Stangl und Offenberg wurden bei der Großen Reserve 2014 in der Flasche vereint – und überzeugten die Verkoster.