Wohnbau Am Steindl „explodiert“: Bürger auf Barrikaden

Erstellt am 17. Dezember 2019 | 06:02
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„Planlosigkeit“ bei Besiedlungs- und Verkehrskonzept für den Bereich Steindl kritisieren die Bewohner, die sich an einer neuen potenziellen Gefahrenzone, der Kreuzung Steindlstraße/Kraxenweg, zu einer Kundgebung trafen.
Foto: NOEN
Vor größter Besiedlungswelle. Bürger kritisieren Planlosigkeit. Baustadtrat Herz kündigt Gespräche an.
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„Was ist der Plan?“ Mit selbstgemalten Schildern fanden sich rund 60 Anrainer des Bereichs Am Steindl zu einer Protestversammlung ein, um von Sprecherin Mathilde Prantz über die aktuelle Lage informiert zu werden.

„Der Steindl steht vor der größten Besiedlungswelle seit der Gründung. Noch nie sind innerhalb weniger Jahre mehr Menschen dazugekommen“, heißt es. „Und noch nie gab es so wenige Konzepte, um den damit verbundenen Herausforderungen zu begegnen.“

Gemeinst ist: Durch aktuelle Wohnbauprojekte werden weit über 100 Wohneinheiten entstehen. „Wenn ehemals schmale Fußwege zu Straßen werden oder neue Kreuzungen entstehen, sind insbesondere nicht-motorisierte Verkehrsteilnehmer gefährdet“, monieren die Bewohner.

Laut Wissenschafterin Vetter „planerische Idee“

Schon seit 2007 fordere die Interessengemeinschaft (IG) Steindl ein Verkehrskonzept, seit mehreren Jahren auch ein Besiedelungskonzept. Prantz: „Oftmalige Angebote zur Mitarbeit im Sinne der Bürgerbeteiligung wurden seitens der Verantwortlichen bis jetzt nicht wahrgenommen. Dabei habe ein „Stadtspaziergang“ mit über 100 Teilnehmern 2017 das große Interesse bewiesen.

Mittlerweile kommt noch dazu, wie die betroffene Wissenschafterin Eva Vetter betont, dass es keine Antworten auf Klimafragen (Stichwort Versiegelung des Bodens) gebe. „Eben erst sind auf einem 8.000 m² großen Grund, auf dem ein Wohnbau entstehen wird, rund 40 Bäume, darunter ein ca. 50 Jahre alter Mammutbaum, gefällt worden.“ Es fehle die „planerische Idee“.

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Stadtrat Günter Herz kündigt Gespräche mit den Steindl-Anrainern an.
Foto: Martin Kalchhauser

„Bei diesen Grundstücken handelt es sich um bereits seit Jahrzehnten gewidmetes Bauland“, stellt SPÖ-Baustadtrat Günter Herz zu den Vorwürfen fest. „Das Wohngebiet ist in innenstadtnaher Lage und daher besonders attraktiv.“ Die einzelnen Projekte seien der Stadt bekannt, es werde auch darauf gedrängt, dass alle Rechtsvorschriften eingehalten werden. Er gibt aber auch zu bedenken: „Projekte, die genehmigungsfähig sind, müssen von der Behörde genehmigt werden!“

Auf die Bauwerber werde jedenfalls dahingehend Druck ausgeübt, dass es kürzeste Anfahrtswege zu den jeweiligen Garagen geben müsse, um zusätzlichen Durchzugsverkehr zu vermeiden. Zudem werde ab Ende 2020 der Steindl mit einer eigenen Stadtbuslinie im Stundentakt angefahren. „Das sollte auch zu einer Verkehrsberuhigung beitragen.“

Stadtrat Herz stellt Gespräche in Aussicht

Er und Verkehrsstadtrat Alfred Scheichel möchten sich „relativ rasch mit den betroffenen Anrainern zusammensetzen“. Das solle schon bald nach Weihnachten sein.

In Eigentum könne man aber nicht eingreifen, gibt Herz zu bedenken. „Ich befürworte aber, dass jedes größere Vorhaben in den Gestaltungsbeirat kommt. Dadurch haben wir die Möglichkeit, auf Umfang und Qualität der Projekte Einfluss zu nehmen.“

So habe man auch bei den letzten Projekten schon bewirkt, dass die Bebauungsdichte zurückgenommen werden musste. Auch in Bezug auf Klimaschutz habe es schon in der Vergangenheit Einfluss gegeben (Gründächer, Bäume, Sträucher, …) – das werde künftig noch mehr der Fall sein.

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