Langenloiser Blumenhändler: Corona-Regeln oft „unfair“. Wie schon im ersten Lockdown gibt es Unterschiede in einzelnen Branchen. Zahlen gehen endlich leicht zurück. Kündigung „wegen Corona“ hatte andere Gründe.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 26. November 2020 (05:53)
Ärgert sich über unfaires Prinzip bei Erlaubnis zur Öffnung bestimmter Geschäfte: Garten-Fachmann Thomas Zöchmeister in seinem derzeit gesperrten Blumen-Geschäft in Langenlois.
Martin Kalchhauser

Die einen Blumengeschäfte haben offen, andere haben zu. Gegen diese Ungerechtigkeit geht der Langenloiser Unternehmer Thomas Zöchmeister auf die Barrikaden. Er musste seinen Laden in der Wiener Straße dicht machen.

Der Hintergrund: Gewerbliche Betriebe, die nicht auch als landwirtschaftliches Unternehmen (Mischform) geführt werden, müssen sperren. Die anderen haben offen.

„Ich stehe zum Lockdown. Aber es müsste gerecht zugehen.“Thomas Zöchmeister

„Das ist kein Neid. Ich würde auch offen halten, wenn ich könnte“, versteht Zöchmeister seine Mitbewerber, dass sie ihre gesetzlichen Möglichkeiten ausschöpfen. „Aber bei mir ist, im Gegensatz zur Gastronomie, auch das Abholen von Ware verboten.“

Gerade jetzt wäre der vorweihnachtliche Verkauf von Gestecken und Adventkränzen angelaufen. „Ich stehe zum Lockdown. Aber es müsste gerecht zugehen.“ So bekämen jetzt auch jene Unternehmen, die offenhalten können, 60 % Ausfalls-Ersatz. Zum Glück hat Zöchmeister treue Kunden, die trotz der Geschäftssperre bei ihm bestellen und die er auf die einzige ihm mögliche Weise, per Direktbelieferung, mit Waren versorgen kann.

Erneut Ärger wegen Supermarktketten

Besonders ärgert Zöchmeister, dass die Fehler des ersten Lockdowns wiederholt werden. So wie schon im Frühjahr werben die großen Supermarktketten teils gezielt mit Waren abseits vom Lebensmittelangebot, dem sie das Offenhalten verdanken.

Waren es im Frühjahr etwa Gartenmöbel, die Märkte im Gegensatz zu Einzelhändlern vertreiben konnten, sind es jetzt klassische Geschenkartikel (Küchengeräte, Elektronikartikel, …)

Als „Corona-Opfer“ sieht sich Eva-Maria B. aus Krems, die in der Probezeit ihren Job bei SeneCura verlor. „Ich war positiv, habe mich nach zehn Tagen Quarantäne erneut testen lassen und war negativ“, erzählt die Reinigungskraft. „Dann erfuhr ich am Telefon, dass ich gar nicht mehr kommen brauche, weil mein Dienstverhältnis wegen Krankheit aufgelöst wird.“

„Vorgangsweise hat mit Corona nichts zu tun“

„Das ist rechtlich in Ordnung, sowas passiert in der Probezeit immer wieder“, bedauert Arbeiterkammer-Bezirksstellenleiterin Doris Schartner. „Menschlich ist es vielleicht eine andere Geschichte.“

SeneCura-Geschäftsführer Claus Dobritzhofer tritt dem Vorwurf unmenschlicher Vorgangsweise entgegen: „Bei Frau B. hat das mit Corona nichts zu tun. Sie hat den Anforderungen nicht entsprochen, wir haben uns für eine andere Mitarbeiterin entschieden.“

Erfreulich entwickeln sich die Zahlen der Coronakranken: Sowohl in der Stadt als auch im Bezirk sind sie deutlich zurückgegangen. Die Lockdown-Maßnahmen greifen endlich.