Jahn-Denkmal als Stein des Anstoßes. Seit über 90 Jahren steht das Denkmal am Jauerling – und genauso lang sind die Turnerkreuze darauf verewigt.

Von Denise Schweiger und Gertrude Schopf. Erstellt am 21. November 2020 (05:06)

Wanderer, die die vielfältigen Wege auf dem Jauerling begehen, kommen im Gipfelbereich auch auf einer Lichtung vorbei, die als Sport- und Bewegungsplatz Verwendung findet. Und schlagen Alarm: Auf einem steinernen Denkmal seien da verbotene Zeichen öffentlich zu sehen – und sie haben nicht Unrecht. Viele der abgebildeten Symbole erinnern an die Swastika, das nationalsozialistische Hakenkreuz.

Denkmal ist Relikt aus der Zwischenkriegszeit

Tatsächlich handelt es sich um die Darstellung des Turnerkreuzes, das die vier F (frisch, fromm, fröhlich, frei) darstellt, die „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn im 19. Jahrhundert für seine Turnerbewegung postuliert hat. Bei dem Monument handelt es sich um das Jahndenkmal, ein Relikt aus der Zwischenkriegszeit.

Der ÖTB Turnverein Spitz, damals noch unter dem Namen „Deutscher Turnverein Spitz“ (gegründet 1922), hat das steinerne Gebilde in den Jahren 1927/28 errichtet. Zahlreiche weitere Turnvereine, die hier zu Gast waren und auf der über einen Hektar großen Turnerwiese ihre körperlichen Übungen und Wettkämpfe absolvierten, sind mit Wappen und Vereins logos auf dem Bauwerk verewigt.

„Das Denkmal steht hier, seit ich mich erinnern kann, da hat nie irgendwer etwas daran geändert“, berichtet Wolfgang Malota, seit heuer Obmann des Spitzer Turnvereins – mit etwa 450 Mitgliedern einer der größten Vereine der Gemeinde –, dass hier jedes Jahr das Bergturnfest veranstaltet wird.

Die Darstellung des Turnerkreuzes wurde und wird immer wieder angefochten. Rudolf Anschober beispielsweise stellte 1995, damals als Grün-Abgeordneter, eine Anfrage an das Parlament, ob das „Turnerkreuz als stilisiertes Hakenkreuz“ nicht unter das Abzeichengesetz falle.