Gneixendorf: Geschichte des STALAG 17B wird aufgearbeitet

Erstellt am 21. Januar 2022 | 09:22
Lesezeit: 3 Min
Das Kriegsgefangenenlager STALAG 17B auf dem Areal des heutigen Flugplatzes Krems-Gneixendorf war eines der größten Kriegsgefangenenlager des Deutschen Reiches und das größte auf österreichischem Boden.
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Ein Forschungsprojekt des Landes NÖ zum Thema Zeitgeschichte hat einen starken Krems-Bezug: Die Geschichte des STALAG 17B wird wissenschaftlich aufgearbeitet.

Bis zu 66.000 Häftlinge

Von den Baracken, in denen bis zu 66.000 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter zwischen 1939 und 1945 inhaftiert waren, ist heute nichts mehr zu sehen. In Gneixendorf erinnert ein Kunstprojekt von Christian Gmeiner an die Dimensionen des Lagers. Der Historiker Robert Streibel hat dazu vor kurzem mit Unterstützung von kremskultur einen Schauraum im Gasthaus Walzer im Stadtteil Gneixendorf eingerichtet.

Stadt stellt sich der Geschichte

Ein umfangreiches Forschungsprojekt mit dem Titel „NS- ‚Volksgemeinschaft‘ und Lager im Zentralraum Niederösterreichs“ widmet sich nun der Geschichte der vergessenen Lager. „Das Forschungsprojekt ist Teil der intensiven Beschäftigung der Stadt Krems mit ihrer Zeitgeschichte", freut sich Stadtchef Reinhard Resch. "Die Stadt Krems bearbeitet seit Jahren aktiv daran, sei es durch die Förderung von vorwissenschaftlichen Arbeiten von Schülerinnen und Schülern, oder mit der Arbeit des Historikerinnen- und Historikerbeirats."

Als Zwangsarbeiter eingesetzt

Das seien, so der Bürgermeister, auch die richtigen Antworten auf gesellschaftliche Entwicklungen. Projektleiterin Martha Keil, Direktorin des Instituts für jüdische Geschichte Österreichs in St. Pölten, erforscht die zahlreichen, oftmals unbekannten Lager. Dabei geht es um den Kontakt zwischen den Gefangenen, die oftmals als Zwangsarbeiter in der Umgebung tätig waren, und der lokalen Bevölkerung.

Kontakte bis heute lebendig

Edith Blaschitz von der Donauuniversität Krems, die ebenfalls an dem Projekt beteiligt ist, schildert etwa den Fall eines belgischen Kriegsgefangenen, der auf dem Hof der Winzerfamilie Graf-Faltl in Stratzing eingesetzt war. Die Kontakte zwischen der Familie des Kriegsgefangenen und der Winzerfamilie bestehen bis heute.

Zur Sache:

  • Historiker Robert Streibel, Martha Keil und Edith Blaschitz sind ehrenamtliche Mitglieder des Kremser Historikerbeirats. Edith Blaschitz hat gemeinsam mit Martina Scherz die Ausstellung „Wo sind sie geblieben? Die Frauen von Krems“ im museumkrems wissenschaftlich betreut und Iris Andraschek bei dem Kunstprojekt „Ich bin hier.“ im Kremser Stadtraum unterstützt.
  • Koordiniert wird das Projekt vom Institut für jüdische Geschichte Österreichs in St. Pölten. Zu den Projektpartnern zählen unter anderem die Donau-Universität Krems, das Wiener-Wiesenthal-Institut für Holocaust-Studien oder auch das Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich“
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