Kremser Schul-Direktoren wollen Tempo 30. Niedrigere Geschwindigkeit soll Gefahren minimieren. Temporär gesperrte „Schulstraßen“ laut Magistrat „kontraproduktiv“.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 19. September 2017 (05:35)
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Auch in der Rechten Kremszeile gilt im Moment Tempo 30 vor dem BRG – allerdings auch außerhalb der Schulzeiten.

45 Prozent aller sechs- bis 14-jährigen Kinder kommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule, teilt der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) mit. Damit ein sicherer Weg von Haltestellen und Bahnhöfen in die Schulgebäude gewährleistet ist, gibt es auch in Krems mittlerweile vor den meisten Schulen Tempo-30-Beschränkungen.

Teilweise wird die rote Ampel ignoriert

Noch nicht in einer solchen vertreten ist die Volksschule Rehberg, wo besorgte Eltern zuletzt eine Online-Unterschriftenaktion für eine Herabsetzung des 50 km/h-Limits gestartet haben ( die NÖN berichtete, siehe hier und unten).

Trotz Ampel soll es am Schutzweg vor der Schule immer wieder zu brenzligen Situationen kommen, weil das Tempolimit nicht eingehalten und teilweise sogar die rote Ampel ignoriert wird.

Wie die Eltern der Volksschüler würde auch Schulleiterin Eva Brandstetter eine 30er-Zone vor der Schule befürworten: „Ich kenne die Problematik und bin auch in ständigem Austausch mit den Eltern. Die Ampel bringt zwar viel, aber die Leute fahren generell einfach viel zu schnell in diesem Bereich.“

„30er-Zone ist hier nicht zu argumentieren“

Leopold Rohrhofer, Leiter der Straßenpolizei am Magistrat, sieht für einen 30er keinen Bedarf: „Das ist in diesem Bereich nicht zu argumentieren. Erst zuletzt hat ein Ermittlungsverfahren ergeben, dass hier ein 30er nicht erforderlich ist.“

Etwas anders als in Rehberg stellt sich die Problematik für die Volksschule Stein in der Maria-Grengg-Gasse dar. Viele Kinder steigen an den Bushaltestellen an der Donaulände und in der Dr.-Karl-Dorrek-Straße aus, die zumeist stark befahren ist und in der Tempolimit 50 gilt.

„Tempo 30 wäre dort natürlich erwünscht und in der Nähe einer Schule immer gut. Es gibt bei uns zwar einen ‚Schutzengelweg‘, der aber nicht von allen Kindern genutzt wird“, sagt Direktorin Marianne Matschi, die auch über ein anderes Verkehrsproblem klagt: „Unsere Schule liegt in einer Sackgasse. Viele Eltern bringen ihre Kinder trotzdem bis vor die Eingangstüre, weswegen es schnell mal zu Problemen kommen kann. Damit in der Früh nicht alle gleichzeitig eintreffen, habe ich sogar schon einen unterschiedlichen Schulbeginn für die verschiedenen Klassen in Betracht gezogen. Das ist aber wieder schlecht für die Geschwisterkinder.“

Schulstraßen in Südtirol bereits eingeführt

Werth
In St. Pölten sind vor Schulen viele Tempo-30-Bereiche zeitlich begrenzt – sie gelten entweder nur an Werk- oder an Schultagen. Auch in Krems ist dies Thema.

Noch weiter als der Wunsch nach 30er-Zonen vor allen Schulen geht die Forderung des VCÖ, Straßen eine Viertel- bis halbe Stunde vor Schulbeginn und nach Unterrichtsende für den Autoverkehr zu sperren. „In Südtirol gibt es diese Schulstraßen bereits. Dadurch hat sich die Situation auf den Schulwegen für die Kinder deutlich verbessert. Für viele Schulen wäre das auch in Österreich sinnvoll“, sagt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer.

Anderer Meinung ist man da am Magistrat. „Erstens hat es keine Rechtsgrundlage und zweitens ist es kontraproduktiv. Die Kinder müssen lernen, wer der Stärkere auf der Straße ist, sonst glauben sie irgendwann, die Straße gehört ihnen allein. Dann kommt es aber bald zu einem Aha-Erlebnis“, spricht sich Leopold Rohrhofer gegen „Schulstraßen“ aus. Auch für Verkehrsstadtrat Alfred Scheichel (SPÖ) ist die Umsetzung des Modells in Krems nur „schwer vorstellbar“.

Positiver stehen sowohl Rohrhofer als auch Scheichel Zusatztafeln an den bereits bestehenden 30-km/h-Schildern in Schulbereichen gegenüber, die Autofahrern außerhalb der Schulzeiten Tempo 50 genehmigen würden. In St. Pölten wurden diese Tafeln bereits montiert. „In den 30er-Zonen, die wirklich nur wegen der Schulen da sind, wäre das sicher sinnvoll. Ich denke dabei etwa an der Bereich Schulzentrum“, so Rohrhofer.