Krems: Jüdische Spurensuche mit alter Pendeluhr. Es war keine Demo, sondern ein Stadtrundgang: Fotos, Klezmer-Musik und Geschichten erinnerten an die Juden von Krems.

Von Petra Vock. Erstellt am 23. Mai 2018 (03:12)
Stadtrundgang vom Südtirolerplatz bis in die Dinstlstraße, mit einer vom Großvater geerbten Pendeluhr im Gepäck: Der Historiker Robert Streibel scheute keine Mühen, um das versunkene jüdische Krems vor seinen interessierten Zuhörern wieder lebendig werden zu lassen. Fotos: Johann Lechner
Johann Lechner (Collage NÖN)

Begleitet von Klezmer-Musikern, vielen Zuhörern und ORF-Filmemacher Robert Neumüller, begab sich der Kremser Historiker Robert Streibel am Freitag auf die Suche nach den Juden von Krems. Anlass war das Viertelfestival-Projekt „Mazel Tov“, das auch ein Konzert des Wiener Klezmer Orchesters im Kloster Und beinhaltete ( wir hatten im Vorfeld berichtet, siehe hier  und unten).

Teilnehmer bekamen die Fotos auch auf ihre Handys geschickt

Der Rundgang führte vom Südtirolerplatz durch die Landstraße zur Dinstlstraße, wo sich die Synagoge von Krems befand, die nicht 1938, sondern erst 1978 zerstört wurde.

Dazwischen ließ Streibel an mehreren Stationen mit Fotos und Geschichten die Menschen lebendig werden, die einst hier wohnten. Zum Beispiel Paul Pisker, dessen Familie ein Wäschegeschäft besaß und mit dem einige Mitschüler während der gesamten Schulzeit kein Wort sprachen, weil er Jude war. Oder Kurt Hruby aus der Schlüsselamtsgasse, der nach der Emigration katholischer Priester wurde.

Mit im Gepäck hatte der Historiker auch eine von seinem Großvater geerbte Pendeluhr, die er in der Dinstlstraße „aus dem Hut zog“. Darauf befindet sich nämlich noch ein Stempel des Uhrmachers Peter Bader, der vor seinem dortigen Geschäft Purzelbäume schlagen musste, bevor er nach Palästina floh.

Den Teilnehmern wurden die Fotos auch auf ihre Handys geschickt. Streibel wertete es jedoch als „gutes Zeichen“, dass sich niemand durch sein „Narrenkastl“ ablenken ließ.