Der Wald als Heilstätte: Krems wird Sitz der ISFT. Krems wird Sitz der Internationalen Gesellschaft für Waldtherapie. Stift Göttweig prüft seine Möglichkeiten.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 18. Dezember 2019 (05:01)
Die Wälder des Stifts Göttweig umfassen rund 5.300 Hektar. Ob und wo ein Heilwald möglich wäre, wird derzeit geprüft. Foto: Archiv
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Die Ruhe genießen, tief Luft holen, die Natur bewusst wahrnehmen. Der Wald ist für den Menschen seit jeher ein Ort, um Kraft zu schöpfen. Die Gesellschaft weiß um die positive Wirkung von Wäldern auf den Geist. Deutlich weniger bekannt ist hingegen seine heilende Wirkung für den Körper und das damit verbundene touristische Potenzial.

„Mecklenburg-Vorpommern konnte die Tourismussaison um jeweils einen Monat im Frühjahr und Herbst erweitern.“Heinz Boyer

Mecklenburg-Vorpommern ist der Vorreiter, wenn es um Therapiewälder geht. Ausgehend vom Bundesland im Norden Deutschlands gründete sich die International Society of Forest Therapy (ISFT). Mit an Bord ist von Beginn an ein Kremser. Heinz Boyer ist Aufsichtsratsvorsitzender der IMC Fachhochschule und seitdem er den Begriff Therapiewald in Deutschland gehört hat, Feuer und Flamme für das Thema.

Im Vorjahr fand der 2. Internationale Kongress „Gesundheitspotenzial Wald“ am IMC statt, 2020 wird Krems sogar Sitz der ISFT mit ihren elf Mitgliedsstaaten. „Das Waldviertel ist für die Idee des Therapiewalds prädestiniert. Das Wertschöpfungspotential ist hoch. Mecklenburg-Vorpommern konnte die Tourismussaison um jeweils einen Monat im Frühjahr und Herbst erweitern“, sagt Boyer.

Doch was kann ein Therapiewald eigentlich? 270 internationale Experten hielten bei einem Kongress im spanischen Girona Definitionen fest. Demnach gibt es zum einen den Heilwald, der „dazu geeignet ist, auf wissenschaftlicher Grundlage für spezielle Indikationen als Therapeutikum genutzt zu werden.“ Eine Abstufung ist der Kurwald, der eine „gesundheitsfördernde Breitenwirkung“ entfalten könne.

Pläne für Heilwald auch in Senftenberg

Befürchtung, der Therapiewald könnte als Auswuchs der Esoterik abgestempelt werden, hat Boyer keine. „Es gibt mehrere Universitäten weltweit, die sich in seriöser Form diesem Thema widmen. Eine seriöse Ausbildung, die auf anerkannten Gesundheitsberufen ansetzt, lässt eine Qualitätssicherung erwarten.“

Eine staatliche Zertifizierung und Standards für die Wälder gibt es noch nicht. Das sei aber bereits Teil eines Strategieplans, sagt Boyer, der am IMC schon bald Waldtherapeuten ausbilden lassen möchte. Einen möglichen Ort, wo sie ihren Job ausüben könnten, sieht Boyer in den Wäldern des Stifts Göttweig, das derzeit seine Möglichkeiten prüft.

„Nach Gesprächen und einer gemeinsamen Exkursion nach Mecklenburg-Vorpommern werden die Voraussetzungen für die Entwicklung eines solchen besonderen Waldabschnittes in einem Teil des Göttweiger Forstes untersucht. Wir hoffen, im Frühjahr 2020 diesen Sondierungsprozess abgeschlossen zu haben“, teilt Wirtschaftsdirektor Gerhard Grabner mit. Wichtig seien dabei jedenfalls die gerade entstehenden Zertifizierungsvoraussetzungen und die leichte Erreichbarkeit des Walds.

Pläne, einen Heilwald zu installieren, verfolgt übrigens auch das Nuhr Medical Center in Senftenberg. Die Zustimmung der Gemeinde gibt es mittlerweile, noch offen ist aber die Finanzierung.