Kremser „Sandler“ jetzt in Wertheimpark verlagert. Teil der Problemfälle nach Entfernung der Bahnhofsbänke „übersiedelt“. Die Geschäfte freut das.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 18. Juli 2019 (06:15)
Martin Kalchhauser
Einzelne Personen der vormaligen Bahnhofplatz-Problemgruppe nutzen jetzt den wenige Meter entfernten Wertheimpark für Nachmittagsschläfchen in alkoholisiertem Zustand. Bis dato stört das niemanden.Kalchhauser

Der Bahnhofplatz als Ort der Ruhe und Idylle – womöglich ist diese Beschreibung etwas übertrieben. Und dennoch: Vergleicht man die Situation am Kremser Knotenpunkt für öffentlichen Verkehr im Sommer 2018, als das Problem voll aufschlug, mit den heutigen Gegebenheiten, ist der Unterschied krass. Die „Sandler“ sind weg. Keine herumlungernden Menschen mehr, die, sobald es warm ist, herumlärmen, Passanten anpöbeln oder gar ihre Notdurft verrichten.

Die Lösung des Problems war simpel. Der Bauhof der Stadt entfernte auf Geheiß von SPÖ, ÖVP, FPÖ und KLS drei Holz-Doppelbänke auf der Ostseite des Platzes. Sie waren, nachdem auf der gegenüberliegenden Seite bereits eine Bank entfernt worden war, der Hauptaustragungsort für Saufgelage. Über einen Monat ist es nun her, dass den Problemfällen dieser Hotspot genommen wurde.

Rosenkranz sieht keinen Handlungsbedarf

Wo sind sie hingekommen? „Ich habe keine Ahnung“, sagen sowohl Vizebürgermeisterin Eva Hollerer (SPÖ) als auch Sicherheits-Stadträtin Susanne Rosenkranz (FPÖ), die beide treibende Kräfte in der „Sandler“-Frage waren.

Die NÖN hat sich umgesehen und entdeckte zumindest einen Teil der zehn bis fünfzehnköpfigen Personengruppe. Der Wertheimpark (neben der Wertheimstraße) ist ihr neuer Aufenthaltsort. Ein altbekanntes Gesicht hält beim Lokalaugenschein gerade ein Nachmittagsschläfchen. Ein angefangener Doppler Wein steht neben dem Mann. Wenige Meter weiter ist eine Bank bereits mit Pappendeckeln zum Schlafplatz umfunktioniert worden.

Zur Frage, ob der neue Platz denn nun weniger problematisch sei, teilte Hollerer, die auch Sozialstadträtin ist, mit: „Ich kommentiere einen Einzelfall nicht.“ Sie sei jedenfalls verwundert, dass die Entfernung dreier Bänke die Situation am Bahnhofplatz entschärft hat. „Es hat sich auch niemand beschwert, dass die Bänke weg sind. Damit ist das Thema abgeschlossen.“

Rosenkranz sieht derzeit keinen Handlungsbedarf wegen des neuen Publikums im Wertheimpark: „Ich habe das mit der Polizei besprochen. So wirklich ist das Problem noch nicht aufgepoppt.“ Für den Bahnhof freue sie es, „dass das so gut funktioniert hat“. „Auch wenn wir das schneller erledigen hätten können“, spricht sie die zahlreichen Gesprächsrunden zwischen Politik, Anrainern und Polizei an, denen sie erst gegen Ende beiwohnte. „Das war auch ein logistisches Problem, da alle an einen Tisch zu bringen!“

Froh über die Entfernung der Bänke ist Frisörin Monika Stadler, die in ihrem Geschäft immer wieder unter den „Sandlern“ litt. „Bei uns ist jetzt alles wunderbar. Die Kunden fühlen sich deutlich wohler.“ Ein Happy-End sieht auch Otto Raimitz, Chef des gleichnamigen Kaffeehauses: „Alle Probleme sind beseitigt. Die Politik hat die richtige Entscheidung getroffen.“