Weißenkirchen in der Wachau

Erstellt am 10. Juli 2018, 04:11

von Markus Glück und Martin Kalchhauser

Bald „Eintrittsgeld“ für Wachau-Besuch?. Melker Bürgermeister läuft bei vielen offene Türen ein. Umfangreiche Erhebung soll Basis für regionale Maßnahmen sein.

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Mit dem Wunsch einer Solidaritätsabgabe von Touristen für die Tourismusregion Wachau lässt der Melker VP-Bürgermeister Thomas Widrich aufhorchen. „Es kann nicht sein, dass die Gemeinden investieren müssen und die Betriebe sowie Touristen nur profitieren.“

Eine Idee, die in Europa nicht neu ist. Seit 2016 zahlen Urlauber etwa auf der Baleareninsel Mallorca eine Tourismusabgabe. Das Geld wird für Umwelt- und Landschaftsschutz, aber auch für die Pflege und Erweiterung der touristischen Infrastruktur verwendet.


VP-Bürgermeister Andreas Nunzer: „Sollten uns das nicht über die Medien mitteilen!“
 |  Martin Kalchhauser

Als konkreten Anstoß nimmt Widrich die aktuelle Diskussion in der Stadt rund um die Neuerrichtung der Brücke über den Donaualtarm, die vor allem von Schiffstouristen genutzt wird. Der Plan der Stadt, eine Maut einzuheben, stößt beim Stift auf Widerstand. VP-Tourismus-Stadtrat Peter Rath hofft auf Solidarität innerhalb der Tourismusregion Wachau. „Die Gemeinden können nicht immer nur Infrastruktur schaffen. Das ist ein Problem, welches Melk nicht allein lösen kann. Ich glaube nicht, dass es den einzelnen Touristen schmerzt, 50 Cent Abgabe zu bezahlen“, betont Rath. In die Pflicht nehmen will Rath aber auch Tourismusbetriebe wie die Brandner Schifffahrt.

Offene Türen rennt Widrich mit seinem Ansinnen in Dürnstein ein. FPÖ-Stadtrat Helmuth Weiss hat das Ansinnen schon in der Vergangenheit immer wieder vorgebracht. „Die Idee ist schon einige Jahre alt. Aber ich bin bis jetzt damit politisch nicht durchgedrungen.“ Ähnlich wie die Gebrauchsabgabe, die Gemeindebürger zahlen müssen, wenn sie Material auf öffentlichem Grund lagern, kann er sich eine Art Eintritt vorstellen. „Gruppenführer könnten Tickets lösen, und laut Land sind auch Nächtigungstaxen pro Schiffspassagier möglich.“

Befragung ab 15. Juli soll Fakten liefern

Eine große Befragung zwischen 15. Juli und 15. Oktober soll nun Zahlenmaterial liefern. Geplant sind 240 Interviews an sechs Befragungstagen, die Ausgabe eines Fragebogens an die Dürnsteiner Altstadtbewohner und Gewerbebetriebe sowie die Erhebung der Zahl der Personen im Zentrum des Ortskerns und die Aufenthaltsdauer.

Weiss: „Das wird die Belastung zeigen. Dann könnten wir endlich erfahren, für welche Maßnahmen es vom Land NÖ Unterstützung gibt.“

FPÖ-Stadtrat Helmuth Weiss: „Bin bisher mit meiner Idee nicht durchgedrungen.“  |  Martin Kalchhauser

So wie Weiss ist auch der Spitzer Bürgermeister Andreas Nunzer der Meinung, dass die Wachaugemeinden geschlossen auftreten müssen. Der Vorsitzende der Welterbegemeinden erklärt sich mit Dürnstein solidarisch, vorher sei aber eine Grundlagenerforschung nötig: „Wir müssen wissen, welche Touristen wann und mit welchen Mitteln – Rad, Auto, Bus oder Schiff – kommen.“ Eine Rolle spielen für die Gemeinden, allen voran Dürnstein, auch sicherheitspolizeiliche Überlegungen: Wie viele Personen verträgt ein Ort? Im Extremfall könne man nur mehr welche hineinlassen, wenn andere herauskommen.

Die Idee einer Abgabe sei „hin und wieder genannt“ worden, zuerst gelte es aber, alle anderen Mittel auszuschöpfen. „Ich vertrete das in dieser Form nicht. Wichtig ist, dass wir uns das nicht über die Medien mitteilen, sondern vielmehr gemeinsam nachdenken.“

„Situation bei uns ist ein kleiner Wahnsinn!“

Dürnsteins Gemeindechef Johann Schmidl meint, die Situation in seiner Gemeinde sei „ein kleiner Wahnsinn“. Täglich kommen rund 1.000 Gäste nach Dürnstein, oft sechs Schiffe und zehn Busse gleichzeitig. „Aufs Jahr hochgerechnet kommen bis zu eine Million Menschen zu uns!“ Die Anrainer seien sehr geduldig, man wolle auch keine Touristen vergraulen. Der Idee einer Abgabe kann Schmidl einiges abgewinnen. Davor solle es aber andere Maßnahmen wie die Steuerung der Schiffe geben.

Schmidl ist sich bewusst, dass es keine „lex Dürnstein“ geben kann, und setzt ebenfalls auf das gemeinsame Vorgehen der Welterbegemeinden.

Umfrage beendet

  • Dürnstein: Sollen Gäste Eintritt zahlen müssen?