Faule Tricks für mehr Daumen auf Facebook. Fake-Profile liken regelmäßig SPÖ-freundliche Beiträge. Sozialistische Jugend Krems weist alle Verdächtigungen von sich.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 20. Januar 2021 (04:09)
Facebook ist eine von mehreren Bühnen im Internet, auf denen Stimmungsmache und auch politischer Wahlkampf praktiziert werden. Nicht immer agieren die Beteiligten dort mit sauberen Methoden.
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„Dirty Campaigning“ ist spätestens seit der Silberstein-Affäre vor der Nationalratswahl 2017 in Österreich ein geläufiger Begriff. An den schmutzigen Social-Media-Wahlkampf des ehemaligen israelischen Politikberaters Tal Silberstein erinnert fühlt sich jetzt Patrick Mitmasser, Obmann der Jungen Volkspartei in Krems. Anlass sind Fake-Profile, die sich im Dunstkreis der Sozialistischen Jugend (SJ) Krems bewegen.

Patrick Mitmasser, Obmann der Jungen Volkspartei in der Stadt Krems.
privat

Mitmasser ist ein Politiker der neuen Generation. Die sozialen Medien und insbesondere Facebook sind jene Bühnen, auf denen er seine politischen Inhalte vermittelt. Aufgenommen werden die schon seit einiger Zeit nicht mehr vorrangig von Erstwählern. Facebook hat unter den ganz Jungen längst an Priorität verloren. Mit seinen Botschaften erreicht Mitmasser vorwiegend eine breite Gruppe an über 20-Jährigen.

Unter ihnen auch etliche aktive Politiker anderer Fraktionen, wie Vizebürgermeisterin Eva Hollerer. In einer Facebook-Gruppe mit Krems-Schwerpunkt lieferten sich die SPÖ-Frau und Mitmasser kürzlich eine Diskussion wegen der Versetzung einer Schulwartin (die NÖN berichtete) – ein digitales Duell, in dem es auf Likes, die Zeichen der Zustimmung für die jeweilige Meinung, ankommt. Dabei bemerkte Mitmasser einmal mehr Ungewöhnliches. Profile, die sich mittels Rückwärtssuche als nicht authentisch herausstellten, gaben Hollerer einen Daumen nach oben. Laut Mitmassser besonders auffällig: Kommen Likes von SJ-Funktionären, folgen nur wenige Minuten später jene der Fake-Profile.

Identitäten wurden aus Deutschland gestohlen

Gernot Hinterkogl aus Spitz oder Christian Neuer aus Kirchberg am Wagram sind nur zwei der fiktiven Identitäten, die regelmäßig Beiträge und Kommentare der SJ und von SPÖ-Mandataren liken. Sie alle existieren nicht wirklich, ihre persönlichen Daten sind frei erfunden, Profilfotos wurden unter anderem aus Online-Medienberichten geklaut. Gernot Hinterkogl etwa heißt in Wirklichkeit Mario Schmidt und wurde 2012 in Deutschland als vermisst gemeldet, Christian Neuer hört eigentlich auf den Namen Tobias Vogt und ist CDU-Politiker aus Baden-Württemberg.

Eine direkte Anschuldigung gegen die SJ, sie hätte die Fake-Accounts erstellt, um die parteifreundlichen Inhalte auf Social Media zu pushen, erhebt Mitmasser nicht. Der Jung-Politiker beobachtet aber eine Einmischung in die politische Diskussion zugunsten einer Fraktion. „Ich würde mir knapp zwei Jahre vor der Gemeinderatswahl mehr Fairness im Miteinander wünschen.“

Mert Özsecgin, Obmann der Sozialistischen Jugend im Bezirk Krems.
privat

Mert Özsecgin, der Obmann der SJ Krems, stellt gegenüber der NÖN klar, dass die Fake-Profile nicht von SJ-Vertretern erstellt wurden: „Die SJ Krems braucht mit Sicherheit keine gestohlenen Identitäten. Anstatt inhaltloser Anschuldigungen und ein wiederholtes ‚SJ-Krems-Bashing‘ zu betreiben, würden wir gewissen Personen nahelegen, sich ernsthaft um die Anliegen der Kremser Jugend zu kümmern.“