"Bürgermeister und Baumeister? Nein!“. Die Opposition wirft dem neuen ÖVP-Spitzenkandidaten vor, doppelt abkassieren zu wollen. Krammer verspricht „saubere Lösung“.

Von Udo Sagl. Erstellt am 07. Juni 2017 (04:50)
Architekt mit Leib und Seele: Bürgermeisterkandidat Erwin Krammer muss sich nun die Frage nach der Vereinbarkeit seiner Tätigkeiten gefallen lassen.
Lechner

Gerade erst nominiert – und schon voll im Schussfeld der Opposition: Finanzstadtrat Erwin Krammer, frischgebackener Spitzenkandidat der ÖVP für die Gemeinderatswahlen, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, unvereinbare Tätigkeiten auszuüben und daran auch als möglicher neuer Bürgermeister festhalten zu wollen.

Verzicht: Krammer würde als Stadtchef keine städtischen Aufträge für sein Büro annehmen.
NOEN

Dabei hat Krammer – im Privatberuf seit Jahrzehnten Baumeister – bereits öffentlich zugesichert, sich im Falle eines Wahlsieges aus dem operativen Geschäft seines erfolgreichen Architekturbüros zurückzuziehen.

Aus der Sicht von KLS-Gemeinderat Wolfgang Mahrer ist das zu wenig: „Seine politische Tätigkeit hat dem Bauplanungsbüro von Krammer schon bisher nicht geschadet. Wenn er meint, als Bürgermeister würde er sich vom operativen Geschäft trennen, bedeutet das wohl, dass er zwar selbst nichts arbeitet, aber den Gewinn seiner Firma einstreicht und daher am Wohlergehen des Betriebes interessiert bleibt.“

FPÖ-Gemeinderat Walter Rosenkranz stellt außerdem fest, „dass Krammers wirtschaftliches Naheverhältnis zur Gedesag nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch ÖVP-intern kritisiert wird“.

„Korrekte Trennung ist selbstverständlich“

Krammer weist die Vorwürfe gelassen zurück: „Wer mich kennt, der weiß genau, dass ich alle meine Tätigkeiten immer äußerst korrekt getrennt habe.“ Außerdem besitze auch der amtierende Stadtchef Reinhard Resch mit der Firma Cardea (Ambulatorium für physikalische Medizin) ein Unternehmen.

„Ich bin mir voll bewusst, dass das Bürgermeisteramt eine Aufgabe ist, der man sich zur Gänze widmen muss“, versichert der ÖVP-Spitzenkandidat. „Also werde ich eine saubere Lösung finden. Ich habe drei hervorragende Mitarbeiter, die das Büro führen können. Und irgendwann ist sowieso der Schritt fällig, wo ich den Betrieb übergebe.“ Denn: Krammer ist 62 Jahre alt und hat familienintern keinen Nachfolger.

Um allfällige Zweifel von Kritikern unmittelbar zu unterbinden, kündigt Krammer einen selbst auferlegten Verzicht an: „Sollte ich Bürgermeister werden und Geschäftsanteile an meiner Firma behalten, wird es jedenfalls keinen einzigen Auftrag der Stadtgemeinde Krems an das Büro Krammer geben. Dafür verbürge ich mich.“