Der Kampf um den Inlandsgast. In den Reisedestinationen bahnt sich ein Buhlen um österreichische Urlauber an. Die Wachau möchte ganz vorne mitmischen.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 08. Mai 2020 (07:03)
Die Wachau möchte heuer besonders mit ihrem Outdoor-Angebot, wie den Weitwanderwegen oder dem Donauradweg, punkten.Niederösterreich/ Steve Haider
: Donau

Wie erfolgreich kann die Tourismussaison 2020 laufen? Bleibt die Grenze zu Deutschland geschlossen? Wollen die Leute überhaupt reisen? Die Beherbergungsbranche steht am Start der wichtigsten Monate des Jahres vor einer Reihe von Fragen, die Anlass zur Nervosität geben. Sorgenfalten verursachen momentan vor allem die Kommentare deutscher Politiker, die trotz der ausgestreckten Hand von Ministerin Elisabeth Köstinger auf der Bremse stehen, was eine Grenzöffnung betrifft.

Auch für die Region Wachau-Nibelungengau-Kremstal wäre ein Sommer ohne deutsche Touristen eine ganz bittere Pille. Fast ein Drittel der über 810.000 Nächtigungen im Vorjahr entfielen auf Gäste aus Deutschland. Nur die Österreicher sind eine noch größere Gruppe. Ihnen gehört heuer mehr Aufmerksamkeit denn je. „Selbst wenn es punktuell Grenzöffnungen geben sollte, wird die Reiselust von internationalen Gästen wohl eher verhalten sein. Was sich schon abzeichnet, ist, dass alle österreichischen Destinationen sich um den Inlandsgast bemühen“, meint Bernhard Schröder, Geschäftsführer der Donau Niederösterreich Tourismus GmbH. Umso wichtiger sei es, dass sich die Betriebe keinem Preisdumping hingeben.

Ausflügler schon vor Lockerungen unterwegs

Das Buhlen um den Inlandsgast ist bereits eröffnet. Ausgeklügelte Marketingstrategien und gezielte Werbeeinschaltungen sind für viele Tourismusgebiete das Mittel der Wahl, um möglichst viele Gäste für sich zu gewinnen. Dass die Leute grundsätzlich empfänglich für das Thema Reisen sind, bewiesen viele Tagesausflügler, die auch schon vor der Lockerung der Ausgangsbeschränkungen in die Wachau reisten. Durch die gestiegene Wertschätzung für die heimischen Naturjuwele und die Unsicherheit, ob Auslandsreisen möglich sein werden, ergeben sich neue Möglichkeiten.

„Die Wachau hat die Chance, verstärkt Sommerurlaubsgäste mit längeren Aufenthalten anzusprechen, da viele Gäste heuer auf den gewohnten Sommerurlaub am Meer verzichten werden“, sagt Schröder. Gelingen soll das vor allem mit dem Outdoor-Angebot in der Weltkulturerbelandschaft, aber auch der Weinkultur. Dass die Region, die Heurigengemütlichkeit und ein hochwertiges Veranstaltungsprogramm wie wenig andere Tourismushotspots in Österreich vereint, in Zeiten des Social Distancing an Reiz verliert, glaubt Schröder nicht.

Ein Betrieb, der gleich mehrere Facetten des Tourismus unter einem Dach vereint, ist der Prandtauerhof der Familie Holzapfel. Der malerische Gutshof in Joching beherbergt ein Weingut, ein Restaurant, Zimmer und ist Austragungsort von Galaabenden internationaler Firmen. In einer eigenen Kapelle kann sogar geheiratet werden. Auch wenn Hausherrin Barbara Holzapfel ihren Betrieb „vor einer wirklich großen Herausforderung“ stehen sieht, erkennt sie doch eine Chance für die ganze Region. „Wir sollten gerade jetzt in die Richtung gehen, auf Qualität und den guten Gast zu setzen, nicht auf Masse.“

Mit Blick auf den Sommer ist für Holzapfel besonders wichtig, dass die Grenzen zu Bayern und der Schweiz aufgehen. „Ich habe mit einigen Gästen telefoniert. Ihr großer Urlaub wird heuer nicht stattfinden. Sie warten darauf, dass sie zu uns kommen können.“