Finale Vorbereitungen: Aufbauen mit dem Schausteller. Fritz Thurner bietet den Volksfest-Gästen mit seinen Fahrgeschäften Action und Unterhaltung.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 20. August 2019 (03:35)
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Fritz Thurner packt beim Aufbau seiner Fahrgeschäfte, wie hier beim Magic, selbst mit an.

Schon von der Ferne sieht man den großen Clown mit ausgestreckten Armen auf der Ringstraße stehen. Kindheitserinnerungen werden wach. Das Magic ist wieder zurück in Krems. Das Drehkarussell mit 48 Sitzplätzen ist das bekannteste und erfolgreichste Fahrgeschäft im Besitz von Schausteller Fritz Thurner.

Alle zwei Jahre sorgt er dafür, dass den Besuchern am Wachauer Volksfest abseits vom umfassenden gastronomischen Angebot auch Adrenalinschübe und Unterhaltung geboten werden. Bei seinen sechs Fahrgeschäften ist für jede Altersklasse etwas dabei. Von der Geisterbahn über das Autodrom bis hin zur Überkopf-Action im No Limit.

Anpacken ist angesagt

Thurner ist ein Chef, der selber anpackt. Beim Aufbau des Magic bedient der Vösendorfer den Kran und bringt die einzelnen Wägen in Position. Auch wenn der „Oldie“ unter den Karussellen zu seinen persönlichen Favoriten gehört: bis das Magic steht, braucht es einiges an Zeit und Arbeitskraft.

„Der Trend geht heute zu Geschäften, die man zu zweit aufbauen kann. Das Magic ist viel größer, da braucht man schon fünf bis sechs Leute.“ Kosten würde eine Attraktion wie das Magic heute „locker zwei Millionen Euro“. Für das neuere No Limit habe er über eine Million Euro gezahlt.

Unfälle sind praktisch ausgeschlossen

Der 50-Jährige vertraut bei seinen Geräten auf Maschinenbaufirmen aus Deutschland oder Holland. Schreckensbilder von Leuten, die aus Achterbahnen oder Ringelspielen geschleudert werden, seien dadurch so gut wie unmöglich. „Es passiert nur was in Ländern wie der Ukraine, wo die Geschäfte nicht in Fabriken hergestellt, sondern Teile irgendwo im Hinterhof zusammengekauft werden.“

34 Jahre tourt Thurner nun schon von April bis Oktober durch ganz Österreich. Der Schausteller-Beruf ist ihm in die Wiege gelegt worden. „Ich war schon als kleiner Bub mit meinem Vater auf den Volksfesten unterwegs.“ Ein anderer Job sei nie in Frage gekommen. „Als Junger sieht man die Probleme nicht, die auf einen zukommen. Das ganze Drumherum ist heute komplizierter.“

Töchter sollen in Zukunft übernehmen

Erst vor zwei Jahren ging Thurners Vater, mit dem er bis dahin den Familienbetrieb geführt hatte, in Pension. Seitdem ist die Arbeit mehr geworden – wenngleich ihn seine beiden Töchter tatkräftig unterstützen. Sie sollen das Unternehmen später einmal fortführen. Eine Zukunftsaussicht, die den Allerwenigsten in dieser Branche vergönnt ist.

„Wir haben ein Nachwuchsproblem. Keiner will sich die Arbeit mehr antun. Es ist ja nicht nur der Sommer. Oft gibt es im Winter mehr zu tun, weil so viel in Schuss zu halten ist.“

Reich könne man in seinem Gewerbe nicht werden, sagt Thurner. „Höchstens reich an Erfahrung. Ich meine, wenn ich alle meine Geschäfte verkaufe, dann vielleicht.“

Übernachten im selbst gebauten Wohnwagen

Gestern hat der 50-Jährige in Krems Quartier bezogen. Zwei Wochen lang ist jetzt wieder Leben im selbst gebauten Wohnwagen angesagt. Ein Zimmer im benachbarten Parkhotel nehmen? „Das kommt nicht in Frage. Da bin ich nicht am Platz.“

In seinem persönlichen Ranking nimmt das Volksfest einen Spitzenplatz ein. „Mit seinem Flair ist es eines der schönsten Feste. Und die Gastronomie ist die beste in ganz Österreich.“ Wenn dann am Donnerstag, 22. August, der Startschuss fällt, drängt sich Thurner nicht in den Vordergrund. Er wird in den Kassahäuschen des Magic und No Limit seine Fahrtenchips verteilen.