Krems

Erstellt am 07. Juni 2018, 05:21

von Franz Aschauer

Kunstwerk für die Kremser Gefängnis-Mauer. Die Namen Dutzender Hingerichteter zieren seit Kurzem einen knapp 100 Meter langen Mauerabschnitt der Justizanstalt Stein.

Die Namen der zu Kriegsende getöteten Häftlinge sind nun auf dem nordöstlichen Teil der Gefängnis-Mauer nachzulesen.  |  Laurenz Entekhabi

386 Häftlinge kamen am 6. April 1945 beim Massaker in der Strafanstalt Stein und der „Kremser Hasenjagd“ ums Leben. Zu den bestehenden Erinnerungen an das Blutbad kommt nun auch ein imposantes Kunstwerk hinzu, das vor wenigen Tagen fertiggestellt wurde.

Künstlerin Daha gestaltete, Historiker Streibel half

Auf einem fast 100 Meter langen Mauerabschnitt des Steiner „Häfens“ bildet es die Namen der zu Kriegsende massakrierten Häftlinge in blauer Farbe ab. Welch gewaltiges Ausmaß die Wandmalerei am nordöstlichen Teil der über zehn Meter hohen Mauer hat, wird vor allem vom gegenüberliegenden Uni-Campus ersichtlich.

Die Künstlerin Ramesch Daha leitete das Projekt.  |  Vincent Entekhabi

Verantwortlich für den neuen „Look“ des Mauerabschnittes ist die Wiener Künstlerin Ramesch Daha. Seit einem Jahr bereitete sich die gebürtige Iranerin auf das Großprojekt vor, das sie jetzt innerhalb von nur 17 Tagen mit einem vierköpfigen Team in die Tat umsetzte. „Wir sind sogar drei Wochen zu früh fertig geworden. Mein Team war Spitzenklasse und das Wetter hat zum Glück auch sehr gut mitgespielt“, erzählt Daha.

Mit den Arbeiten beauftragt wurde die Künstlerin von Kunst im öffentlichen Raum, einer Sparte der Kunst- und Kulturabteilung des Landes. Zuvor setzte sich Daha in einem Künstlerwettbewerb durch. Inhaltliche Vorgaben für das Projekt gab es keine.

„Ich habe dieses Thema gewählt, weil ich mich sehr viel mit politischen Projekten und auch der Zeit des Nationalsozialismus beschäftige. Bei meinen Recherchen zu dem Massaker bin ich dann auf den wunderbaren Kremser Historiker Robert Streibel gestoßen, der mir die Eingangsbücher mit den Namen der Toten zur Verfügung gestellt hat“, erzählt Daha.

Kunstwerk wird am 23. Juni „eröffnet“

Streibel, der 2015 mit seinem Roman „April in Stein“ die Geschehnisse rund um das Massaker aufgearbeitet hat, wird den Text für eine Erinnerungstafel verfassen, die bei der Eröffnungsveranstaltung für das Kunstwerk, die am 23. Juni stattfindet, enthüllt wird.

Nur 17 Tage brauchte das fünfköpfige Künstler-Team für die Bemalung der über zehn Meter hohen Mauer. Die Vorbereitungen für das Großprojekt liefen zuvor allerdings schon seit über einem Jahr.  |  Laurenz Entekhabi

Von ihrem Kunstwerk zeigt sich Daha begeistert: „Es ist genauso geworden, wie ich es mir vorgestellt habe. Der Weg dorthin war allerdings sehr mühsam.“ Bedingt war das vor allem durch die strengen Auflagen der Justizanstalt Stein, die die Künstler während der Arbeiten einhalten mussten. So waren Daha und ihr Team verpflichtet, das Gerüst, auf dem sie die Mauer bemalten, jeden Tag wieder komplett abzubauen.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Es darf keine Möglichkeit geben, von außen über die Mauer zu klettern. „Als Justizanstalt ist es unsere oberste Prämisse, für die Sicherheit der Bevölkerung zu sorgen. Bosheitsakt war das keiner“, erklärt Justizanstaltsleiter Christian Timm, für den das Kunstwerk „dazu beiträgt, der Öffentlichkeit dieses zeitgeschichtliche Ereignis näherzubringen.“

Die Reaktionen von Passanten auf die Malarbeiten fielen laut Daha gemischt aus. „Viele waren nett, manche respektlos. Negatives Highlight war ein Hakenkreuz, das jemand in die Staubschicht eines Scheinwerfers geschmiert hat.“

Die Kosten für das Projekt von 85.000 Euro tragen das Land (80.000 Euro) und die Karl-Landsteiner-Uni (5.000 Euro), von der auch die Idee für die künstlerische Nutzung der Gefängnis-Mauer kam.