Weinbau: Wachablöse bei den Spritzmitteln?. Effektive Mikroorganismen stehen bei Winzern hoch im Kurs. Schon umgestellt hat das Weingut Mang aus Weißenkirchen.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 13. November 2018 (05:35)
Alexander Mang (mit Sohn Henry) bearbeitete dieses Jahr zehn Hektar mit den natürlichen Pflanzenschutzmitteln.
Johann Lechner

Ein Weinbau ohne Spritzmittel wäre nicht vorstellbar. Schädlinge wie der Ohrwurm würden die Oberhand gewinnen, Unkraut könnte hemmungslos gedeihen und Krankheiten würden die Weinstöcke großflächig befallen. Schwefel, Kupfer und Kaliumbicarbonat, das sind die Stoffe, die konventionelle Winzer zum Beispiel gegen pilzliche Schaderreger einsetzen. 87 Prozent der gesamten Weinbaufläche Österreichs wird laut Landwirtschaftskammer mit chemischen Spritzmitteln bewirtschaftet – Tendenz: sinkend.

Grund dafür ist der biologische Weinbau, der seit wenigen Jahren immer bedeutsamer wird. Ein Vorreiterbetrieb in dieser Hinsicht ist der Nikolaihof in Mautern. Das älteste Weingut Österreichs war eines der ersten, die auf natürliche Mittel umgestellt haben.

Der von der Familie Saahs geführte Nikolaihof geht sogar noch eine Stufe weiter und bewirtschaftet seine Weingärten nach den Demeter-Richtlinien, der „Königsklasse“ des biologischen Landbaus. Dass Unkrautvernichter wie Glyphosat nicht nur Böden schaden, sondern auch der Weinqualität abträglich sind, bewies erst im Juni eine Studie der Weinbauschule Klosterneuburg.

„Wir haben einen Zuckergrad beim St. Laurent, den sie selbst im Burgenland nicht zusammenbringen.“Weinbaumeister Alexander Mang aus Weißenkirchen

Genug vom Glyphosat und anderen chemischen Mitteln hatte in diesem Jahr auch Alexander Mang, Weinbaumeister im Weißenkirchner Familienbetrieb Hermengild Mang. Circa zehn seiner zwölfeinhalb Hektar Weingärten bewirtschaftete er heuer erstmals mit effektiven Mikroorganismen, wie getrockneten Brennnesseln oder Sprühmolkepulver.

Die Auswirkungen seien „überaus positiv“ gewesen, so Mang. „Das Traubenmaterial ist reiner. Ich habe in den bearbeiteten Gebieten keine Ohrwürmer drinnen gehabt. Und beim St. Laurent habe ich einen Zuckergrad, den sie selbst im Brugenland nicht zusammenbringen.“ Mang seien zudem die biologisch behandelteten Pflanzen ganzheitlich „viel vitaler vorgekommen“.

„Es werden immer mehr Winzer, die Alternativen zur Chemie suchen“

Wie kam der Sinneswandel beim Wachauer Traditionsbetrieb? „Ich bin schon mit konventionellen Spritzmitteln eingefahren und möchte einfach keine Chemie mehr einsetzen. Ich mache jetzt an der Weinbauschule Krems das Bio-Zertifikat und bin dort auf die effektiven Mikroorganismen aufmerksam geworden“, erzählt Mang.

Produziert werden die von der Firma Multikraft in Oberösterreich. Verkaufsleiter der Abteilung Gemüse- und Obstbau ist aber ein Niederösterreicher, nämlich der Tullner Günther Soukup, Absolvent der Gartenbauschule Langenlois. Den Trend zur naturnahen Weingartenbewirtschaftung sieht der Experte auch. „Am Anfang sind wir vielleicht belächelt worden. Aber es werden immer mehr Winzer, die Alternativen zur Chemie suchen.“

Das bestätigt auch Mang. Angesprochen hätten ihn seit der Spritzmittelumstellung in seinem Betrieb schon viele Winzerkollegen. Und nicht nur das: „Der eine oder andere möchte es im nächsten Jahr auch probieren.“

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