Bezirk Krems war Hochburg der Wetterkapriolen. 38,8 Grad in Krems, 92 Prozent zu wenig Niederschlag in Langenlois. Der Bezirk entwickelt sich zum Ort der Extreme.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 07. August 2019 (06:36)
Johann Lechner
Rund 20 Prozent der Weinfläche in der Großgemeinde Langenlois verfügt über eine Bewässerung. Wer diesen Luxus nicht hat, muss bei der anhaltenden Trockenheit regelmäßig gießen. Ansonsten trocknen die Pflanzen schnell aus, wie Weinbauvereinsobmann Christian Nastl beim NÖN-Lokalaugenschein zeigt.

Extreme Hitze und lang anhaltende Dürreperioden sind auch in diesem Sommer allgegenwärtig. Wenngleich sich die negativen Folgen im Bezirk derzeit noch in Grenzen halten. Und dennoch fällt auf: Krems und seine Umgebung ist heuer eine wahre Hochburg der Wetterkapriolen. Im Februar 2019 war die Stadt der trockenste Ort in ganz Österreich, im April regnete es nirgends in Niederösterreich weniger als in der Wachau. Im Juni wiederum teilte sich Krems bei 38,5 Grad gemeinsam mit Innsbruck den Titel Hitzepol Österreichs.

Im Juli wurde es sogar noch heißer. Gleich am ersten Tag des Monats kletterte das Thermometer auf 38,8 Grad – wieder der bundesweite Spitzenwert. Dem nicht genug, ging auch der Sieg in der Trockenheitswertung an den Bezirk Krems. In Langenlois fiel um 92 Prozent weniger Regen als im Durchschnitt. Kurios: In Krems ist das Bild völlig konträr. Mit 79 Liter pro Quadratmeter fiel sogar etwas zu viel Regen. „Krems ist dank der Gewitter in den letzten Tagen des Monats ausgeglichen“, sagt Klimatologin Raphaela Ryslavy von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

Schädlinge kein Problem

Langenlois profitierte von diesen Unwetterzellen nicht. Das spüren auch die Winzer, wie Weinbauvereinsobmann Christian Nastl erzählt: „Vor allem bei den jungen Stöcken ist die Trockenheit ein Thema, auch wenn die Rebe relativ zäh ist. In einigen Weingärten sind die Blätter schon gelb. Wir sind sehr viel gießen gefahren.“ Vorteile hätten die Top-Lagen Käferberg, Heiligenstein, Seeberg, Pfaffenberg, Kogelberg, Loiserberg und Steinmassl, die bewässert werden. Gute 350 der insgesamt 2.000 Hektar in der Großgemeinde Langenlois verfügen laut Nastl über eine Bewässerung.

Schädlinge seien derzeit kein Problem, lediglich auf die Ausbreitung des Oidium-Pilzes müsse geachtet werden. „Der mag schwüles Wetter. Wenn du das nicht im Griff hast, gibt das den Trauben ganz negative Aromen“, sagt Nastl. Der Lese blickt der Winzer trotz der schwierigen Wetterverhältnisse zuversichtlich entgegen. „Es wird ein gutes Jahr“. Mit der Haupternte rechnet Nastl deutlich später als im Vorjahr. „Wenn es so lange trocken ist, steht die Vegetation still. Ende September wird es losgehen.“