Täglich drei tote Wildtiere im Bezirk Krems. Jährlich mehr als 1.000 Stück Fallwild im Bezirk Krems. Brunft- und Erntezeit bedeuten besonders hohes Unfallrisiko.

Von Johannes Mayerhofer. Erstellt am 14. Oktober 2020 (05:32)
Zu Zeiten des verstärkten Wildwechsels im Herbst sollten Autolenker die Straßenränder im Blick behalten.
APA/Patrick Pleul/dpa

Für viele Autofahrer zählen Wildunfälle zu den schlimmsten Horrorszenarien, die einem hinterm Steuer passieren können, vor allem in ländlich geprägten Gebieten. Sie verursachen nicht nur erhebliche Sach-, sondern auch Tier- und Personenschäden. Wie groß ist dieses Phänomen tatsächlich? Und handelt es sich aus der Sicht von Polizei und Jägerschaft um ein signifikantes Problem?

Mehr als 1.000 tote Wildtiere pro Jahr

„Definitiv ja“, sagt dazu Andreas Neumayr, Bezirksjägermeister aus Hadersdorf. Die Zahlen des NÖ Landesjagdverbandes zum Kfz-bedingten Fallwild der vergangenen Jahre sprechen eine deutliche Sprache: So verendeten im Vorjahr allein im Bezirk Krems 1.077 Wildtiere nach Autokollisionen, das Jahr davor waren es 1.106.

Rehe und Feldhasen am häufigsten betroffen

Die Verteilung nach Tierart ist dabei stets ähnlich. In etwas mehr als 700 Fällen wurden Rehe zum Verkehrsopfer, darüber hinaus mehr als 300 Feldhasen und etwa drei Dutzend Fasane. „Am häufigsten erleben wir Unfälle mit Schalenwild, also mit Rehen. Auch Wildschweine erwischt es bei uns im Bezirk Krems immer wieder“, erklärt Neumayr.

Er schätze die Zahl des Fallwilds bei Rehen durch Kfz-Verkehr auf 1.000 Tiere, wobei hier nicht nur der Kfz-, sondern auch der Schienenverkehr und die Landwirtschaft zu den Todbringern zählen. Gemessen am Gesamtabschuss von 6.000 Rehen ist dies also ein Anteil von etwa einem Sechstel. Die genaue Zahl des Fallwilds zu bestimmen sei allerdings nicht so einfach.

„Wenn das Wild bei einem Unfall bloß verletzt wird und sich weiterschleppt, in einem Feld verendet und dann etwa von Füchsen gefressen wird, entzieht sich das natürlich der Statistik.“ Außerdem seien betroffene Kfz-Lenker nach einem Wildunfall oft emotional aufgewühlt und nicht in der Lage, den genauen Unfallort anzugeben. Dies erschwere in der Folge für die Jäger die Suche nach dem verletzten Wild erheblich.

„Brunft- und Erntezeit besonders risikoreich“

„Erfahrungsgemäß kracht es vor allem dort häufig, wo Wildwechsel und massiver Verkehr aufeinandertreffen“, warnt Neumayr. Abhilfe sollen vor allem Wildreflektoren schaffen, wie sie etwa bei Stratzing installiert wurden. Weitere Reflektoren existieren logischerweise an den Schwerpunkten der Wildunfälle.

Laut Straßenmeisterei Krems sind dies die B35 zwischen Rohrendorf und Gedersdorf, die B33 zwischen Mautern und Verteilerring, die L114 zwischen Mautern und Furth bei Göttweig oder auch die L109.

Laut Herbert Prandtner, Verkehrsreferent des Kremser Bezirkspolizeikommandos sei auch die L7040 zwischen Senftenberg und Reichau ein Hotspot.

„Bei höherrangigen Straßen hilft dann nur mehr ein Zaun, wie es ihn etwa auf der B37 ab Lengenfeld in Richtung Gföhl gibt“, meint Bezirksjägermeister Neumayr. Besonders kritisch sei die Zeit der Brunft zwischen Mitte Juli und Mitte August. „Hier sind die Rehböcke natürlich sehr aktiv und besonders viel unterwegs. Da kommt es vermehrt zu Unfällen. Selbes gilt für die Erntezeit, wenn neue Einstände bezogen werden.“

Auf die Frage, was Autolenker tun können, um nicht in fatale Wildunfälle verwickelt zu werden, winkt Neumayr ab. „Als Kfz-Lenker kann man kaum etwas verhindern. Natürlich sollte man nicht mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs sein, jedoch geschehen Wildkollisionen wirklich unvorhersehbar und schnell.“ Einen Tipp hat Neumayr doch: „Wenn man ein Reh in sicherer Entfernung über die Straße laufen sieht, sollte man vorsichtshalber abbremsen, denn meist kommt dann ein zweites hinterher. Vorne weg geht häufig die Geiß, dahinter das Rehkitz.“

Nichtmeldung von Wildunfall ist strafbar

Verkehrsreferent Prandtner appelliert eindringlich an die Autolenker, jeden Unfall mit Wildschaden unverzüglich zu melden. „Diese Unfälle werden behandelt wie Unfälle mit Sachschäden, da das Wild immer jemandem gehört und es daher einen Geschädigten gibt.“ Wer einen Fall mit Wildschaden auch nur verspätet melde, mache sich bereits des Vergehens der Fahrerflucht strafbar, betont Prandtner. Ebenso unzulässig sei es natürlich, ein getötetes Wildtier mitzunehmen.

Die NÖ Versicherung schließt sich den Appellen an. Bis Ende September 2020 musste sie bereits bei 1.519 Wildunfällen Leistungen erbringen.

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