Kremser Bad-Bau: Fragebögen manipuliert?. Frist zur Beantwortung des „Wunschzettels“ für neue Badearena ist abgelaufen. Schwimmverein mobilisierte und sieht sich mit Beeinflussungsvorwürfen konfrontiert.

Von Franz Aschauer. Erstellt am 04. Februar 2020 (06:10)
Birgit Fürnkranz-Maglock und Erich Maglock rührten seitens des Schwimmvereins für ein für den Sport geeignetes Bad die Werbetrommel. So sehr, dass nun sogar Manipulationsgerüchte kursieren.  Foto: Franz Aschauer
Franz Aschauer

Rund zwei Monate lang hatten die Bürger die Möglichkeit, einen Fragebogen mit ihren Vorstellungen zur neuen Badearena auszufüllen. Die Bandbreite der Themen reichte von der Beckengestaltung und der Saunalandschaft bis hin zur Gastronomie und der öffentlichen Anbindung. Vor wenigen Tagen endete sowohl für den Fragebogen, der im Bad auflag, als auch seine Online-Version die Frist. Jetzt werten die Mitarbeiter der Baudirektion und der Abteilung für Sport- und Freizeitbetriebe die Antworten aus.

Schiebl setzte sich für eine Acht-Bahnen-Lösung ein

Welche Wünsche in den Fragebögen genannt wurden, soll im Rahmen der Zukunftskonferenz am 21. Februar präsentiert werden. Die NÖN erfuhr allerdings schon jetzt erste Details zu den Beantwortungen, die am vergangenen Dienstag in einer Runde mit Vertretern von Schulen und Vereinen präsentiert worden sind.

Stadtrat Kisling dementiert und hält Manipulationen wegen eines Kontrollsystems für unwahrscheinlich.
NOEN

Zwei vielfach genannte Negativpunkte sind die Sanitäranlagen und der Geruch innerhalb der Badearena. Als Vorteile wurden die kostenlosen Parkmöglichkeiten erwähnt, aber auch das Sport- und Außenbecken. Ein Wunsch vieler Badegäste für ein zukünftiges Bad ist eine Saunalandschaft samt Ruhebereich. Insgesamt wurden über 1.000 Fragebögen abgegeben.

Sportstadtrat Albert Kisling spricht von einer „sensationell hohen Rücklaufquote“. Er verrät, dass es „mehrere Fragebögen“ gebe, die ein Schwimmbecken mit acht Bahnen „wünschenswert sehen“. Eine Tendenz, die nicht überraschend kommt.

Schließlich ist es der Schwimmverein, der sich intensiv für die sportler- und schulenfreundliche Variante einer neuen Badearena einsetzt und deswegen auch kräftig die Werbetrommel gerührt hat, die Fragebögen in dementsprechender Form auszufüllen. So sehr, dass nun sogar Manipulationsvorwürfe im Raum stehen?

Elke Schiebl behauptet, Stadtrat Albert Kisling habe Manipulationsverdächtigungen geäußert.
NOEN

Elke Schiebl, Lehrerin am Piaristengymnasium Krems und begeisterte Triathletin, setzt sich selbst für eine Acht-Bahnen-Lösung ein. Vor einigen Wochen habe sie ein Gespräch mit Kisling geführt, in dem er ihr gegenüber gesagt habe, dass „die Fragebögen, die den gleichen Wortlaut, nämlich ‚8 Bahnen‘ aufweisen“, wahrscheinlich manipuliert seien. Von anderer Seite habe sie sogar gehört, dass „Fragebögen, auf denen ‚8 Bahnen‘ steht, aussortiert werden“.

„Was soll das in diesem Zusammenhang? Man darf ja Lobbying betreiben und Leute für seine Ideen gewinnen“, ist Schiebl entsetzt.

Kisling weist aufs schärfste zurück, je eine derartige Aussage gegenüber Schiebl getätigt zu haben. An eine Manipulation glaubt er nicht. Diese Gefahr sei durch „ein Kontrollsystem“ auf ein Minimum reduziert. Birgit Fürnkranz-Maglock vom Schwimmverein ist nicht überrascht über die kursierenden Gerüchte: „Ich war darauf gefasst.“ Die ehemalige Top-Schwimmerin betont, lediglich Mobilisation betrieben zu haben. So seien die Mitglieder ersucht worden, die Fragebögen im Sinne des Schwimmvereins auszufüllen.