Nach 30 Jahren neue Post aus Uruguay. Eine Architektin möchte mehr über ihre aus Krems stammende Großmutter wissen.

Von Petra Vock. Erstellt am 26. Juli 2020 (05:40)
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Die Kremser Jüdin Elfriede Auspitz (links) floh vor den Nazis zuerst nach Rom (im Bild) und 1942 zu ihrem Bruder nach Uruguay. Fast 80 Jahre später hat sich von dort jetzt ihre Enkeltochter gemeldet.
privat

Wie lebendig die Vergangenheit noch ist, stellt der Kremser Historiker Robert Streibel immer wieder fest. Aus Uruguay meldete sich nun die Architektin Raquel Rener bei ihm, weil sie im Internet auf ihn stieß und mehr über die Geschichte ihrer aus Krems stammenden Großmutter Elfriede Auspitz wissen möchte. Was Rener nicht wusste: Streibel hatte vor 30 Jahren Kontakt mit ihrem Großonkel Max Auspitz.

„Es hat mich berührt, dass sich nach so langer Zeit jemand von derselben Familie meldet und noch dazu mit neuem Material“, freut sich Streibel, der Ende der 80er-Jahre Briefe mit Max Auspitz in Uruguay wechselte. Nun schickte Rener bisher unbekannte Fotos und Briefe. Auch im Vatikanischen Archiv fand Streibel eine Spur von Elfriede Auspitz und erhofft sich Aufschlüsse über ihre Flucht.

Bekannt ist: Die jüdische Familie Auspitz besaß eine Kohlenhandlung auf dem Körnermarkt in Krems. Während Max die Flucht vor den Nazis nach Uruguay gelang, flüchtete seine Schwester Elfriede nach Rom, von wo er sie nachzuholen versuchte – lange ohne Erfolg, wie aus seinen Briefen hervorgeht. Am 28. 12. 1942 schrieb Max: „Ich kann es noch nicht glauben, dass du, geliebte Elfi, uns schon so nahe sein sollst, mein Gott, ich soll nur nicht wieder enttäuscht vom Schiff weggehen müssen wie so oft schon, bin ich zermürbt davongeschlichen, wenn die anderen Leute ihre Lieben erwarteten.“ Doch diesmal gab es ein Wiedersehen ...