Gunnar Prokop: „Nur das Ziel vor Augen“. Gunnar Prokop wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Mit Eva Janko und Barbara Freibauer skizzieren zwei Weggefährten, was die NÖ-Sportikone so besonders macht.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 11. November 2020 (04:28)
Stolz und demütig nahm Gunnar Prokop von den NÖN-Chefredakteuren Daniel Lohninger (l.) und Walter Fahrnberger (r.) den Ehren-Leopold in der Kategorie Sport in Empfang.
Erich Marschik

Bei der Frage, was Gunnar Prokop so besonders macht, muss Eva Janko nicht lange nachdenken: „Seine Durchschlagskraft, seine Vehemenz. Wenn er ein Ziel vor Augen gehabt hat, dann schaute er nicht nach links oder rechts, sondern verfolgte nur dieses Ziel.“ Damit hätte der mittlerweile 80-Jährige so ziemlich alles erreicht, was es im Sport zu erreichen gibt, das kam aber nicht bei allen immer gut an.

„Er war ein Trainer, den nicht alle vertragen haben“

Janko selbst – sie war Mitglied in der legendären Leichtathletik-Trainingsgruppe und holte Bronze bei den Olympischen Spielen im Speerwurf 1968 – trainierte hauptsächlich bei den Konditionseinheiten unter der Regie von Prokop. „Für das technische Training holte er Spezialisten dazu. Gunnar wusste genau, was er kann und wo er sich Hilfe holt.“

Kennt Gunnar Prokop als „positiven Narren“: Eva Janko.
APA/Pfarrhofer

Janko erinnert sich aber gut daran, wie hart er vor allem mit Mittelstreckenläuferin Maria Sykora trainierte: „Das war ein Wahnsinn! Liese hat sich das oft gar nicht gefallen lassen, aber Maria hat das durchgezogen.“

Als seine größte Leistung sieht Janko aber nicht Prokops Erfolge als Leichtathletik-Trainer oder später als Macher im Handball, sondern im Aufbau des Leistungszentrums in der Südstadt. „Er hat erkannt, wie wichtig die Kombination von Schule und Sport ist. Wenn ich nur daran denke, wie schwierig das oft für mich war, neben der Schule zum Training zu kommen.“ Die Mutter von Ex-Kicker-Star Marc Janko spart aber auch nicht mit Kritik an der heutigen Generation: „Da kommt seit Jahren viel zu wenig dabei raus. Dort wird mit zu wenig strenger Hand gearbeitet. Viele sind einfach zu bequem für Spitzensport.“ Eine Analyse, mit der sie bei Prokop wohl offene Türen einrennt.

Teil des Hypo-Erfolgsteams: Barbara Freibauer.
privat

Nach seiner Zeit als Leichtathletik-Trainer feierte Prokop als Trainer und Manager des Frauen-Handballteams Hypo Niederösterreich große Erfolge. Bei drei der acht Europacupsiege war Barbara Freibauer (Strass) mit dabei. „Eine super Zeit, die es ohne Gunnar nicht gegeben hätte. Dafür bin ich ihm dankbar“, erinnert sich Freibauer.

Manchmal übertrieben, immer in bester Absicht

Sie beschreibt ihren ehemaligen Trainer als Sport-Besessenen, der so ziemlich alles unternahm, um sein Team besser zu machen. Manchmal, so Freibauer, schoss er auch übers Ziel hinaus. Für die Heim-Weltmeisterschaft – damals war Prokop auch Trainer des Nationalteams – wollte Prokop zum bereits beinharten Training („wir trainierten wie die Schweine“) zusätzliche Impulse geben und engagierte einen Psychologen. Der riet dem Trainer dazu, seine Spielerinnen zum Ausgleich malen oder töpfern zu lassen. „Wir haben dann zwischen den Trainings gemalt und getöpfert, was natürlich wieder in Stress ausartete“, kann Freiberger heute drüber lachen, dass Prokop aus dem „oder“ ein „und“ machte.

Gunnar Prokop (l.) war sehr stolz auf seinen Ehren-Leopold. „Er wird einen Ehrenplatz gleich neben der Olympia-Medaille von der Liese bekommen.“ NÖN-Sportchef Bernhard Schiesser (r.) gratulierte.  Foto: Erich Marschik
Marschik