Brief an den Herrn Bundeskanzler. Leserbrief zum Thema Corona-Maßnahmen.

Erstellt am 30. März 2020 (10:06)

Ich betreibe seit mehr als 20 Jahren ein Restaurant im Herzen von Wien. Reich geworden bin ich nicht aber ich war bis dato in der Lage meine langjährigen Mitarbeiter zu beschäftigen und durch meinen Arbeitseinsatz von 60 Std/Woche von meinem Einkommen zu leben. Statt Urlaub zu machen, habe ich mir mittels Finanzierung meinen Traum erfüllt und mir ein kleines Anwesen mit Garten gekauft, damit Ich in ein paar Jahren meine Pension genießen kann, mein eigenes Gemüse ziehe und auch im Alter noch gesund und fit bleibe durch die Arbeit in meinem kleinen Paradies.

Nun in der Corona Krise sitze ich also hier, meines Schlafes beraubt und schreibe Ihnen auch im Namen der vielen anderen Gastronomen und -innen diesen Brief. Sehr gut finde ich die automatische Stundung bis Ende April der Abgaben von WGKK und Finanzamt. Auch der Plan mit der Kurzarbeitszeit ist gut geglückt.

Um weiter überleben zu können, benötige ich, wie viele anderen auch ganz dringend einen Überbrückungskredit. Und hier beginnt das Dilemma! Nachdem ich schon Mitte März bei Meiner Hausbank, mit der ich sich mehr als 20 Jahren zusammenarbeite, alle die von der Bank geforderten Unterlagen abgegeben habe, hat sich diese gleich 8 Tage nicht mehr gemeldet.

Erst bei meinem 4. Anruf konnte ich endlich jemanden erreichen, der mich darauf aufmerksam machte, dass es erst jetzt ein neues Formular gibt, das ich dringend auszufüllen habe. Dort wurde ich natürlich gleich gefragt ob ich denn Sicherheiten hätte. Nein, die habe ich nicht, da alle Versicherungen die ich als Absicherung für meine Pension abgeschlossen habe, sowiso schon bei der Bank als Sicherheit liegen. Weitere 2 Tage später kommt ein Mail mit einem weiteren Formular, das das Risk Management fordert. Nach einem 20 minütigem Telefonat mit der Bank erfuhr ich, dass, so sollte sich die Bank dazu entschließen den Kredit einzureichen, es ja noch Monate bis zu einer Auszahlung dauert und die Bank nur im Auftrag der Regierung so handelt. Außerdem kann ein Überbrückungskredit auch erst dann eingereicht werden, wenn man vorher alle Zahlungsverpflichtungen  (Versicherung, Leasing, SVA, WGKK, FA) ect. gestundet hat.

Selbstverständlich habe auch ich meine Mitarbeiter zur Kurzarbeitszeit angemeldet, was mir aber nun am Monatsende auch nichts nützt, da diese jetzt den Lohn benötigen um deren Familie zu ernähren und ihren Zahlungen nachzukommen.

Sie haben den Menschen in Österreich mehrmals eine „rasche und Unbürokratische“ Hilfe in dieser Krise versprochen. Und nun, lieber Herr Bundeskanzler, frage ich sie: „Was hiervon ist nun rasch und unbürokratisch“?

Wenn ich Monate auf einen Überbrückungskredit warten muss, und ich denke vielen Gastronomen geht es genauso, stehen meine Mitarbeiter nicht jetzt vor dem Arbeitsamt sondern in spätestens einem Monat. Mein Haus wird versteigert, meine Versicherungen gehören der Bank und ich habe die Hälfte meines bisherigen Lebens dafür gearbeitet, dass ich mir einen Platz auf der Straße suchen kann. Zudem sagt mir mein gesunder Menschenverstand, dass ich alle gestundeten Zahllasten in spätestens 3-5 Monaten zurück zu zahlen habe. Wie bitte soll das funktionieren? Bis sich die Gastronomie wieder erholt, die Leute wieder Restaurants besuchen, dauert es sicher 6 Monate. Und so bitte ich sie, lieber Herr Sebastian Kurz hier doch ein wenig Druck auf die heimischen Banken zu machen, damit wir nach der Krise auch wieder Eröffnen können und nicht für immer geschlossen beibt.

So verbleibe ich mit dem Wunsch:
Österreich, bleib g´sund!

Die Gastronomin