Dank an Thomas Maurer. Thomas Maurer! Dieser Thomas Maurer! Er ist mein Hero. Seine Schlusspointe geht tief unter die Haut, mir sogar noch tiefer, nämlich bis ins Herz.

Erstellt am 06. April 2021 (17:00)

Beim ersten Mal Sehen seines Kurzauftritts in der Sendung des ORF, Die Tafelrunde vom 25. März 2021 schossen mir unwillkürlich Tränen in die Augen.

Ich bin wie Maurers Vater Hochrisikopatient, schwer übergewichtig, Diabetiker, ich habs am Herzen, an der Lunge, an den Nieren. Außerdem hab ich einen offenen Nabelbruch, der dringend operiert werden sollte, aber auf Grund meines bedienten Allgemeinzustandes muss während des Eingriffs für alle Eventualitäten ein Intensivbett bereit stehen; Vorgabe des Anästhesisten. Aber Corona hat alle diese Intensivbetten aufgesogen. Für mich ist keins mehr übrig. Derzeit und derzeit und derzeit…

Ich lebe seit über einem Jahr in Panik, mich mit Covid 19 anzustecken. Ich bin gut informiert, lese das Profil, den Spiegel, gucke die verschiedensten Corona-Sondersendungen. Seit Beginn des Zeitalters der verschiedenen Impfstoffe hechle ich nervös herum, ein Vakzin meiner Wahl verabreicht zu bekommen. Vergeblich. Mehr als eine Internetregistrierung war bis dato nicht drin.

Demnächst wird Österreich die Horror-Marke von zehntausend Coronatoten überschreiten. Einer davon ist Mauerers Vater, der vielleicht noch ein paar Jährchen hätte leben können – wenn er die Impfung rechtzeitig bekommen hätte. Was ist aus der ursprünglichen guten Absicht, jeden und jede mitzunehmen, geworden? Ein würdeloses Feilschen um Öffnungszeiten. Ginge die Welt unter, wenn das Elektrofahrrad, die Pumps, die Spielsachen für die Kinder, das T-Shirt einen Monat später eingekauft werden könnten? Selbst in Vorarlberg, wo unlängst alles aufgerissen wurde, lag die Inzidenz nie unter 50, was selbst wiederum ein Kompromiss-Wert ist. Experten verlangen eine Inzidenz von unter 25, um wieder sinnvoll Contact-Tracing praktizieren zu können. In den munter und fröhlich geöffneten Schulen liegt die Inzidenz derzeit mancherorts bei 500. So what? Es ist eindeutig: Die politisch Verantwortlichen liegen falsch. Deren Gründe sind nicht sachliche, sondern wahltaktische. Und das ist ein widerwärtiges Spektakel, das täglich weitere sinnlose Todesfälle billigend in Kauf nimmt. 10 000 sind schon einmal nicht mitgenommen worden, sondern liegen unter der Erde. Thomas Mauerer hat ihn ganz gern megn, seinen dicken Vater, und er hat die Kraft und die Bühne, die Widersprüchlichkeiten im Corona-Management des Landes hinauszuschreien, die vielen übrigen Angehörigen hingegen, die einen ihrer Liebsten verloren haben, leiden schweigend und anonym.

 Peter Zakravsky, Autor und Journalist