„Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut“. Nicht zuletzt wegen der harschen Kritik in den NÖN vom 11.11. habe ich mir vergangenes Wochenende das Stück „Im Weißen Rössl am Wolfgangsee“ der Theatergruppe Oberfellabrunn angesehen. Und – ich kann die Ansicht des Redakteurs NICHT teilen.

Erstellt am 20. November 2018 (11:25)

Es war ein großartiger, äußerst unterhaltsamer Theaterabend, bei dem die ganz wenigen Schwächen beim Gesang nicht nur nicht gestört, sondern sogar ihren eigenen Charme gehabt haben.

Das Ensemble war besonders spielfreudig, insbesondere die Rollen des „Zahlkellners Leopold“ und des „Schönen Sigismund“ waren mit köstlichen Vollblut-Komödianten besetzt. In keiner Sekunde hatte ich das Gefühl, dass sich „die Oberfellabrunner übernommen hätten“. Ganz im Gegenteil.

Eventuell war die Erwartungshaltung des Herrn Redakteurs nicht die richtige und dieser hat sich eine professionelle Operettenaufführung à la Seefestspiele Mörbisch erwartet. Das war es sicher nicht. Vielmehr war es ein Singspiel, bei dem der Sprechgesang als Stilmittel eingesetzt wurde, so wie es zum Beispiel auch vor einiger Jahren „Im weißen Rössl“ auf Burg Güssing im Burgenland der Fall war (https://bglv1.orf.at/stories/518312).

Nachdem sich das Publikum an diesem Abend sehr begeistert über die Aufführung gezeigt hat, kommt bei mir der leise Verdacht auf, dass der Herr Redakteur mit seiner Meinung eventuell alleine dasteht. Natürlich darf und soll ein Theaterkritiker seine ganz persönliche Einschätzung einer Theateraufführung wiedergeben, das ist ja sein Job. Dabei sollte er immer im Auge behalten, welche Ansprüche das aus Laien bestehende Theaterensemble und das Publikum an das Stück hat und nicht die unzähligen positiven Eindrücke der Aufführung zu erwähnen vergessen (abgesehen vom hausgemachten Büffet).

Zum Abschluss darf auch ich respektvoll den Kaiser zitieren, in der Vermutung, dass es auch dem Rest des Publikums so ergangen ist: „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut!“

Wolfgang Obert, Wien

Zum Bericht über die Premiere von „Im weißen Rössl“ der Theatergruppe Oberfellabrunn: „Singspiel als Premiere: Hübsch bescheiden sein