Ethikunterricht bringt wechselseitige Beziehung.

Erstellt am 15. Januar 2020 (14:03)

Sehr geehrte Redaktion,

mit viel Interesse habe ich heute Ihren Bericht „Familienverband begrüßt Ethik-Unterricht" (siehe hier) gelesen. Dabei ist mir aufgefallen, dass Familienverband-Vizepräsidentin Astrid Ebenberger, die die geplante Einführung des Ethikunterrichts für jene Schüler, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen, begrüßt, auch meint, dass es dabei „nicht um ein gegenseitiges Ausspielen der beiden Unterrichtsgegenstände gegeneinander" geht. Das ist, mit Verlaub, unsinnig, denn gerade diese Art der Einführung eines Ethikunterrichtes in Abhängigkeit vom Religionsunterricht erzeugt eine wechselseitige Beziehung und letztlich ein „gegenseitiges Ausspielen der beiden Unterrichtsgegenstände".

Zur Erläuterung: bisher galt der Religionsunterricht, aufgrund der Abmeldungsmöglichkeit, als de-facto Freifach. Die Einführung eines Ethikunterrichtes als Pflichtfach für alle SchülerInnen, also unabhängig vom Religionsunterricht, würde am Status des Religionsunterrichtes nichts ändern. Schließlich tritt ja auch ein Pflichtfach Biologie oder Physik nicht in Konkurrenz zum Religionsunterricht trotz überlappender Bereiche (jedoch unterschiedlichen Antworten). Das von der Katholischen Kirche forcierte Modell eines Ethikunterrichtes als Pflichtfach ausschließlich für Religionsverweigerer würde hingegen beide Fächer zu de-facto Wahlpflichtfächer machen und die Folgen wären weitreichend (sowohl pädagogisch-didaktisch als auch verwaltungs- und verfassungsrechtlich). Ferner ist zu bemerken, dass diese Status-Änderung des Religionsunterrichtes nicht von Konkordat gedeckt ist (obwohl die Katholische Kirche diese Änderung bereits im Jahr 2009 verlangt hat). Solch eine de-facto Konkordatsänderung (zum Gunsten der Kirche) ist politisch vielleicht machbar, gesellschaftlich ist sie aber keineswegs legitimiert.

Dass Frau Ebenberger anschließend auch noch aufhorchen lässt mit der Behauptung „Religionsunterricht ist Ethikunterricht", ist zudem entlarvend: plötzlich soll der Religionsunterricht alles sein, nur nicht das, was er eigentlich ist, nämlich ein überwiegend der Glaubensvermittlung dienender Unterricht einer Religionsgemeinschaft. Wenn religiöse Inhalte in der breiten Bevölkerung keinen Anklang mehr finden, sollte man es zugeben und sich eher Gedanken machen über den Beibehalt dieses Unterrichtes. „Andere Religionen" kann man ferner auch außerhalb des Religionsunterrichtes „thematisieren und kennenlernen"; solch ein (profanes) Fach nennt man „Religionskunde". Mir sind allerdings selbst ReligionslehrerInnen bekannt, die für die Einführung eines Ethikunterrichtes für alle sind, während der Religionsunterricht sich (wieder) vermehrt auf seine Kernbereiche konzentriert.

Mit freundlichen Grüßen,

Eytan Reif

PS: so wie es aussieht, wird der (diskriminierende) Ethikunterricht überhaupt erst im Schuljahr 2021-22 eingeführt werden.